Georgien baut neue Stadt am Schwarzen Meer

Geplantes Gebäude in Lasika

Geplantes Gebäude in Lasika
(Quelle: Lazika (Lazica) Official / facebook)

Micheil Saakaschwili, seit 2003 Präsident des Kaukasus-Staates, hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, dass an der Schwarzmeerküste eine neue Stadt entstehen soll – „Lasika“, benannt nach einem antiken Reich, das sich entlang der georgischen Küste erstreckte. Nun zeichnet sich ab, dass er es wirklich ernst meint. Die Bauarbeiten sind im Gange.

Projektfotos und Präsentationsfilme zeigen eine moderne Stadt, in der sich Wolkenkratzer und Glaspaläste in moderner Architektur aneinanderreihen. 500.000 Menschen werden hier einmal leben, wenn alles nach Plan verläuft. Lasika soll zugleich Tourismusstandort, Hafen, Wirtschafts- und Finanzzentrum sein. Bislang wurden bereits drei Hotels mit europäischem Standard, ein Casino, mehrere Restaurants und ein Freizeitbad gebaut. Der Flughafen der nahegelegenen Hafenstadt Poti soll erneuert und durch eine Autobahn mit der neuen Stadt verbunden werden. Auch die Natur soll aber ihren Platz in Lasika haben. Bisher ist das Areal ein Sumpfgebiet, in der Nähe liegt der Kolchis-Nationalpark.

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Lasika ist ein Vorhaben, mit dem mehrere Ziele verfolgt werden. Die Planstadt soll die Wirtschaft Georgiens ankurbeln. Saakaschwilis Regierung hat angekündigt, dass hier besonders attraktive Bedingungen gelten sollen, die die Stadt zur Sonderwirtschaftszone innerhalb des Landes machen. Man hofft, dass dadurch ausländische Investoren angelockt werden.

Ganz ohne Zweifel hat man es aber auch mit einem hochpolitischen Projekt zu tun. Lasika wird direkt an der Grenze zu Abchasien gebaut, jener einstigen Teilrepublik, die sich nach einem Bürgerkrieg für unabhängig erklärt hatte. Obwohl Abchasien inzwischen vom großen Nachbarn Russland anerkannt wurde, führt es immer noch ein Schattendasein und kann von Investitionen, wie sie südlich der Grenze jetzt in Angriff genommen werden, nur träumen. Mit der Glitzerstadt will Saakaschwili den Abchasen zeigen, was ihnen entgeht, weil sie sich für die Unabhängigkeit entschieden haben.

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Auch innenpolitisch ist das Projekt von Bedeutung. Saakaschwili liebt es, sich als Visionär darzustellen. Sein letztes spektakuläres Vorhaben dieser Art war die Verlegung des Parlamentssitzes von der Hauptstadt Tiflis ins nur knapp 200.000 Einwohner zählende Kutaissi im Westen des Landes. Kritiker werfen ihm vor, dass er über seine Begeisterung für Großprojekte dieser Art die wirklichen Probleme des Landes vernachlässigt. Viele Menschen leben in Armut. Kein Wunder also, dass die angekündigte Investition von 120 Milliarden Dollar in das Städtebauprojekt nicht bei allen Euphorie hervorruft. Bei möglichen ausländischen Geldgebern scheint aber durchaus Interesse zu bestehen. So haben etwa iranische Unternehmer jüngst ihre Bereitschaft zur Investition „relevanter Summen“ erklärt.

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