Solwytschegodsk - Perle des russischen Nordens

Solwytschegodsk – Perle des russischen Nordens

Wappen von Solwytschegodsk„Perle des russischen Nordens“ – dieses Attribut beanspruchen gleich mehrere Orte im Norden des europäischen Russland für sich. Einer davon ist Solwytschegodsk in der Oblast Archangelsk. Grund, den Titel für sich zu reklamieren, hat das Städtchen durchaus. Einzigartige Sakralbauten aus dem 16. bis 18. Jahrhundert sind hier zu finden.

Die wichtigsten Fakten

Stadtplan

Stadtplan

Solwytschegodsk befindet sich etwa 1.000 nordöstlich von Moskau nahe der Stadt Kotlas. In der malerisch am Ufer des Stroms Wytschegda gelegenen Kleinstadt leben etwa 2.500 Menschen. Das Klima in der Region ist gemäßigt kontinental mit langen, schneereichen Wintern und kurzen, warmen Sommern. Im Winter wurden so schon Temperaturen unter -40°C gemessen, das mittlere Minimum liegt in dieser Jahreszeit bei etwa -15°C. In den drei Sommermonaten liegt das mittlere Maximum bei um 20°C, das Quecksilber kann aber durchaus über die 30°-Marke steigen.
Das Stadtbild ist geprägt von meist einstöckigen Wohnhäusern, die durch die weißen, steinernen Sakralbauten überragt werden.

Geschichte

Historische Stadtansicht von 1793 (Ausschnitt)

Historische Stadtansicht von 1793 (Ausschnitt)

Gegründet im 14. Jahrhundert wurde Solwytschegodsk erstmals 1492 auf einer Landkarte verzeichnet. Die Besiedlung begann an einem Salzsee, der heute mitten im Ort liegt. Entsprechend hieß der Ort zunächst Ussolje oder auch Ussolsk (nach russ. Sol = Salz). Seit der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert begann ein reger Zuzug von Siedlern aus Moskowien. Der Ort hatte durch die einträgliche Salzherstellung an Attraktivität gewonnen und profitierte daneben von seiner günstigen Lage an einem Handelsweg nach Sibirien. Unter den Siedlern waren auch Angehörige des Adelsgeschlechts der Stroganows, die bedeutenden Einfluss auf das Stadtbild Solwytschegodsk nehmen sollten. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde die nun als Sol-Wytschegodskaja bezeichnete Stadt mehrfach von sibirischen Völkern, 1613 auch von den Litauern angegriffen und verwüstet. In dieser Zeit entstanden entsprechende Festungsanlagen. 1708 war die Stadt erstmals Teil des Gouvernements Archangelsk und wurde später zeitweise von Wologda aus verwaltet (Die Oblast Archangelsk in ihrer heutigen Form entstand erst 1937). Die Salzherstellung in Solwytschegodsk erlebte in den folgenden Jahren ihren Niedergang. Im letzten Jahrhundert der Zarenherrschaft wurden politische Gegner der Monarchie hierher verbannt. So etwa im Jahre 1826 Pawel Issaakowitsch Gannibal, der Onkel des russischen Nationaldichters Puschkin. Anfang des 20. Jahrhunderts lebten über 400 Verbannte in der Stadt, darunter von 1908 bis 1910 der spätere sowjetische Diktator Josef Stalin.
In sowjetischer Zeit begann die Entwicklung als Heilbad. Grundlage dafür sind die chlor-, sulfat- und natriumhaltigen Quellen zur äußeren und inneren Anwendung sowie die schwefelhaltigen Schlämme des Salzsees (Soljonoje osero).

Sehenswürdigkeiten

Mariä-Verkündigungs-Kathedrale mit Historischem Museum

Dmitri von Uglitsch mit Heiligen, Exponat des Museums

Dmitri von Uglitsch mit Heiligen, Exponat des Museums

Mariä-Verkündigungs-Kathedrale

Mariä-Verkündigungs-Kathedrale
Foto: Witold Muratow / Wikimedia Commons

Die Mariä-Verkündigungs-Kathedrale (russ. Blagoweschtschenski sobor) entstand 1584. Sie war die Hauskirche der Familie Stroganow. Nach der Oktoberrevolution wurde die Kirche 1919 in ein Museum umgewandelt. Grundstock des Inventars bilden Denkmäler der altrussischen darstellenden Kunst des 16. bis 17. Jahrhunderts. Außerdem finden sich im Museum heute historische Skulpturen, Volkskunst, alte Handschriften und frühe Drucke sowie allgemein russische und sowjetische Malerei und Grafik.

Die ständige Ausstellung widmet sich im Wesentlichen den Hinterlassenschaften der Stroganows in Form von Ikonen, Sakralstickereien und Silberwaren des 16. bis 17. Jahrhunderts. Wer möchte, kann den Turm besteigen und darf, wenn er Glück hat, auch selbst einmal die Glocken läuten.

Adresse: Museiny pereulok 1
Öffnungszeiten: 9 bis 13 und 14 bis 17 Uhr, montags und am letzten Tag des Monats geschlossen

Museum der politischen Verbannung

Stalins Wohnstube im Museum der politischen Verbannung

Stalins Wohnstube im Museum der politischen Verbannung

Der Aufenthalt Stalins in der Verbannung in Solwytschegodsk diente bereits 1933, also noch zu seinen Lebzeiten, als Anlass für die Gründung eines Museums. Der später für seine Schreckensherrschaft berüchtigte „Generalissimus“ Stalin bewohnte in den drei Jahren von 1908 bis 1911 zwei Häuser im Ort, die bis 1962 Teil des örtlichen Stalinmuseums waren. Heute gehört die Ausstellung zum örtlichen Kunst- und Geschichtsmuseum. Die Wohnräume Stalins sollen im Originalzustand erhalten sein.

Adresse: uliza Sowjetskaja 9
Öffnungszeiten: 9 bis 13 und 14 bis 17 Uhr, montags und am letzten Tag des Monats geschlossen

Mariä-Tempelgang-Kloster

Ikonostase

Ikonostase

Mariä-Tempelgang-Kathedrale

Mariä-Tempelgang-Kathedrale

Das Mariä-Tempelgang-Kloster (russ. Wwedenski monastyr) wurde 1565 von den Söhnen Anikei Stroganows gegründet, des Stammvaters der örtlichen Stroganow-Linie. Auf dem Klostergelände entstand in den folgenden Jahren die zunächst hölzerne Mariä-Tempelgang-Kathedrale (russ. Wwedenski sobor), die 1570 geweiht wurde. Für die spätere Blüte des Klosters sorgte vor allem Grigori Stroganow. Aus leibeigenen Bauern bildete dieser Chöre, die in der Klosterkirche sangen. Nachdem die Kirche bei einem Brand zerstört worden war, begann er 1688 mit der Errichtung eines steinernen Nachfolgerbaus, der 1693 fertiggestellt wurde. Er gilt als erstes Beispiel des sogenannten „Stroganow-Barock“. Ende des 17. Jahrhunderts wurde das Kloster noch einmal von einem Feuer zerstört und danach wiedererrichtet. Bauten wie der Glockenturm und die steinerne Einhegung wurden nach der Oktoberrevolution wiederum vernichtet als die neuen Herrscher das Kloster schlossen. Der damalige Vorsteher (Archimandrit) Feodossi wurde im nahegelegenen Kloster Korjaschemka erschossen.

Adresse: uliza Kurortnaja

Spassoobydennaja-Kirche

Spassoobydennaja-Kirche im Winter

Spassoobydennaja-Kirche im Winter

Die Spassoobydennaja-Kirche wurde erstmals 1571 als Holzbau errichtet – innerhalb nur eines Tages. Damals wütete in der Gegend eine tödliche Seuche. Die Kirche wurde später versetzt und schließlich in den Jahren 1691 bis 1697 aus Stein neu aufgebaut. Sein heutiges Aussehen hat das Gebäude einem Umbau im historisierenden pseudorussischen Stil im Jahre 1892 zu verdanken.

und auch noch das…

In der uliza Kurortnaja, neben dem Kloster, befindet sich die sogenannte „Salzfontäne“ (russ. Soljanoi fontan). Eine Quelle, die mit einem turmartigen Holzhaus überbaut ist, fördert hier das Mineralwasser mit dem typisch salzigen Geschmack ans Tageslicht.
Im Bibliotheksgebäude in der uliza Wolodarskogo 13 befindet sich das Kosma-Prutkow-Museum. Unter dem Pseudonym Kosma Prutkow hatten in den 1850er und 60er Jahren verschiedene Schriftsteller satirische Texte veröffentlicht. Das Museum ist wohl eher etwas für Einheimische oder explizit an russischer Literaturgeschichte interessierte Besucher. Außer montags und sonntags ist es täglich von 12 bis 17 Uhr geöffnet.

Anreise

Pontonbrücke über die Wytschegda

Pontonbrücke über die Wytschegda

Zwar verfügt Solwytschegodsk über einen eigenen Bahnhof, dieser liegt aber ziemlich abgelegen am anderen Ufer der Wytschegda. Zunächst sollte man – ob mit dem Zug oder anderen Verkehrsmitteln – daher die nur 15km entfernte Stadt Kotlas ansteuern. Hier befindet sich der Bahnhof mitten in der Stadt. Vom Busbahnhof gibt es mehrmals täglich Fahrten nach Solwytschegodsk. Busse und Autos fahren von Kotlas kommend bis Korjasma, wo eine Pontonbrücke die Querung der Wytschegda ermöglicht. Bei Kosmino kann man auch mit der Fähre übersetzen und so die Strecke ein wenig abkürzen. Ist der Fluss im Winter zugefroren ergeben sich durch die Freigabe von Querungen über das Eis neue, kürzere Routen.
Schlafwagenzüge von Moskau nach Kotlas verkehren in der Regel vom Jaroslawler Bahnhof. Die Fahrtzeit beträgt etwa 20 Stunden. In St. Petersburg starten die Züge vom Ladoschski-Bahnhof. Hier liegt die Fahrtzeit bei etwa 24 Stunden.

Unterkunft

Hotel Wytschegda, uliza Proletarskaja 28, kleines Hotel mit 11 Zimmern
Sanatorium Solwytschegodsk, uliza Urizkogo 1a, Kurhotel mit ärztlicher Betreuung und Anwendungen

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