Lychny

Lychny

Lychny ist mit gut 500 Einwohnern das „größte Dorf Abchasiens“, dabei war es einst dessen Hauptstadt. Es liegt etwa 5 km nördlich der Küstenstadt Gudauta, von wo aus es mit der „Marschrutka“ erreicht werden kann.

Geschichte

Das etwa 1.500 Jahre alte Lychny war einst das Zentrum der historischen abchasischen Region Bsypyn. Ab 1808 befand sich hier die offizielle Residenz der Landesherren Abchasiens, das damals bereits Teil Russlands war. Nachdem das Zarenreich 1864 die abchasische Monarchie beseitigt hatte, war die Ära mit Lychny als abchasischer Hauptstadt beendet.

Nur zwei Jahre später, 1866, war der Ort Ausgangspunkt eines Volksaufstandes gegen die russischen Kolonialherren, der von diesen niedergeschlagen wurde. Anlass für die auch als „Aufstand von Lychny“ bezeichnete Erhebung war eine geplante Agrarreform, die von den abchasischen Bauern abgelehnt wurde. Schnell schlossen sich Menschen aus dem ganzen Land den Aufständischen an, die bis vor die Tore Suchumis zogen, die dortige Festung aber nicht einnehmen konnten. Nach der Niederschlagung des Aufstands von Lychny wurden Tausende Abchasen, die damals noch zu großen Teilen Muslime waren, aus ihrer Heimat verbannt oder wanderten in die Türkei aus.

Ein weiteres mit Lychny verbundenes Ereignis in der abchasischen Geschichte ist die Kundgebung vom 18. März 1989, die auf dem großen Veranstaltungsplatz, der Lychnaschta, stattfand. An der Veranstaltung – auch als „Volksversammlung“ bezeichnet – sollen unterschiedlichen Quellen zufolge zwischen 10 und 30.000 Menschen teilgenommen haben. Die Demonstranten forderten am Vorabend des Zusammenbruchs der Sowjetunion den Status einer eigenständigen Sowjetrepublik für Abchasien. Diesen hatte das Land 1931 auf Anordnung Stalins verloren und war zu einer Teilrepublik Georgiens degradiert worden, was es offiziell bis heute ist. Die Kundgebung in Lychny war Zeichen einer Verschärfung des georgisch-abchasischen Konflikts, der Anfang der 1990er Jahre schließlich in eine kriegerische Auseinandersetzung mündete.

Sehenswürdigkeiten

Lychnaschta

Die Lychnaschta

Die Lychnaschta

Praktisch alles Sehenswerte in Lychny konzentriert sich an der Lychnaschta, einem großen, grasbewachsenen Veranstaltungsplatz. Traditionell finden hier Volksversammlungen und Volksfeste statt, so z. B. das alljährlich im Oktober begangene Erntefest. Zu diesem Anlass reisen Menschen aus allen Teilen Abchasiens an. Auf der Lychnaschta wird dann getanzt, abchasische Spezialitäten werden zubereitet und Reitwettbewerbe abgehalten.

Fürstenpalast

Die Ruinen des Fürstenpalasts

Die Ruinen des Fürstenpalasts
(Quelle: Wikimedia Commons / feathero)

Der Palast der abchasischen Fürsten aus dem Geschlecht der Tschatschba wurde 1866 auf Befehl der russischen Regierung zerstört, sodass heute nur noch die Ruinen des Adelssitzes stehen. Die Zerstörung war eine Reaktion auf einen Aufstand gegen die russischen Kolonialherren, der seinen Anfang in Lychny nahm. Der Palast stammt aus dem 10. Jahrhundert.

Mariä-Himmelfahrt-Kirche

Die Mariä-Himmelfahrt-Kirche stammt aus dem 10.-11. Jahrhundert. Sie wurde am Ort eines der wichtigsten heidnischen Heiligtümer der Abchasen, der Lych-nycha, erbaut und ist nahezu in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben, was sie zu einem einzigartigen Denkmal an der gesamten kaukasischen Schwarzmeerküste macht. Die Wandmalereien im Inneren stammen jedoch aus dem 14. Jahrhundert.

Die Mariä-Himmelfahrt-Kirche

Die Mariä-Himmelfahrt-Kirche
(Quelle: Wikimedia Commons / feathero)

Die Kirche ist Grabstätte von Georgi Tschatschba, Sohn des letzten regierenden Monarchen Abchasiens. 1866 riefen die Aufständischen den 20-jährigen Georgi Tschatschba zu ihrem Fürsten aus, weshalb er nach Niederschlagung der Auflehnung nach Russland verbannt wurde und erst 1905 in die Heimat zurückkehren durfte.

Sowohl in der Zeit der osmanischen Herrschaft über Abchasien als auch in der Zeit des atheistischen Realsozialismus blieb die Kirche geöffnet. Religiöse Rituale an der Lych-nycha dagegen wurden untersagt und konnten erst ab 1991 wieder stattfinden. Im Kirchhof, am Ort der Lych-nycha, das als Familienheiligtum der ortsansässigen Sippe der Schakryl gilt, führen Angehörige dieser Familie alljährlich ein rituelles Gebet durch. Dabei wird ein randvoll mit Wein gefüllter, großer Krug im Boden vergraben, der beim nächsten Ritualgebet wieder geöffnet wird. Dieses Nebeneinander heidnischer und christlicher Bräuche ist typisch für das religiöse Leben der Abchasen.

Mahnmal für die Gefallenen des abchasisch-georgischen Krieges

Mahnmal für die Gefallenen des abchasisch-georgischen Krieges(Quelle: Wikimedia Commons / Vitosha)

Kriegerdenkmal

Wie in den meisten Orten Abchasiens gibt es auch in Lychny ein Kriegerdenkmal, das an die im sogenannten „Unabhängigkeitskrieg“ gefallenen Dorfbewohner und auf der Seite Abchasiens kämpfenden russischen Freiwilligen erinnert. In jenem georgisch-abchasischen Krieg starben in den Jahren 1992 und 1993 je etwa 4.000 Menschen auf abchasischer und auf georgischer Seite.

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