Dnipro

Dnipro

Dnipro (oder russisch Dnepr) ist mit etwa 980.000 Einwohnern (etwa 1,5 Millionen in der Metropolregion) die drittgrößte Stadt der Ukraine und liegt am Dnjepr, etwa 400 km südöstlich von Kiew. Gegründet im 18. Jahrhundert durch Zarin Katharina ist sie heute ein wichtiges Wirtschafts- und Finanzzentrum und Heimat einflussreicher Persönlichkeiten der ukrainischen Politik. Die überwiegend russischsprachige Stadt macht einen sehr geschäftigen Eindruck. Rege Bautätigkeit seit dem Ende der Sowjetunion hat ihr Bild nachhaltig verändert. Derzeit wird an der Verlängerung der 1995 eröffneten Metro durchs Stadtzentrum hindurch gearbeitet.

Geschichte

Die erste ständige Siedlung in der Umgebung geht auf die Polen zurück, die im 17. Jahrhundert über weite Teile der Ukraine herrschten. Sie gründeten hier 1635 die Festung Kodak, die der Verteidigung gegen die Saporoger Kosaken dienen sollte. Im Schutze der Burg siedelten sich immer mehr Menschen an – so entstand der Vorgänger der heutigen Stadt Dnipro.

Schon wenige Jahre später brach 1648 der Chmelnyzkyj-Aufstand gegen die Polen los. Nach monatelanger Belagerung ergab sich die Festung Kodak schließlich den aufständischen Kosaken. Aus diesem Konflikt entwickelte sich schließlich ein russisch-polnischer Krieg und das Ostufer des Dnepr fiel an Russland. Die Festung wurde 1711 in Folge des russisch-türkischen Friedensvertrags vom Pruth geschleift.

Denkmal für Katharina II. "die Große"

Das 1848 errichtete Denkmal für Katharina die Große vor der Christi-Verklärungs-Kathedrale wurde von den Sowjets entfernt.

Mit der russischen Herrschaft begann eine Zeit großer Verheißungen. Denn Zarin Katharina II. wollte die neuen Gebiete, die „Neurussland“ genannt wurden, mit allen Mitteln entwickeln. Als Hauptstadt dieses neuen Gouvernements wurde 1776 die Stadt Jekaterinoslaw gegründet, zunächst nördlich des Dnepr. Wie sich schnell herausstellte, war der Standort nicht gut gewählt. Aufsteigendes Quellwasser sorgte für einen sumpfigen Untergrund. 1783 wurde die Stadt deshalb kurzerhand am Südufer neu gegründet – die eigentliche Geburtsstunde des heutigen Dnipro.

Der damalige Name der Stadt – Jekaterinoslaw – heißt so viel wie „Ruhm Katharinas“, was erahnen lässt, dass man größere Pläne hatte als nur eine weitere Provinzstadt zu gründen. Nein, hier sollte neben St. Petersburg und Moskau die dritte Metropole, um nicht zu sagen: Hauptstadt Russlands entstehen. Eine Kathedrale größer als der römische Petersdom war gerade gut genug, um diesem Anspruch Ausdruck zu verleihen. Zur Grundsteinlegung reisten der Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, der Habsburger Joseph II.,  und die Zarin an. Die beiden hatten sich gegen die Osmanen verbündet. Ihr Ziel: Konstantinopel von den „Ungläubigen“ befreien – von der russischen Hauptstadt aus betrachtet, lag Jekaterinoslaw dabei etwa auf halber Strecke.

Bahnhof von Jekaterinoslaw auf einer alten Postkarte

So wie Istanbul heute noch eine türkische Stadt ist, ist auch aus den anderen Plänen Katharinas nichts geworden: die Kathedrale wurde letztlich nicht gebaut und Jekaterinoslaw brachte es nur zur Provinzhauptstadt. Erst die Industrialisierung und der Bau einer Eisenbahnstrecke von Zentralrussland auf die Krim sorgten dafür, dass die Stadt an Einwohnern und Bedeutung gewann.

In der Zeit des Ersten Weltkriegs und des Russischen Bürgerkriegs teilte Jekaterinoslaw das Schicksal vieler anderer ukrainischer Städte: ständig wurde die Stadt von irgendeiner Kriegspartei erobert, mehrfach wechselten die Machthaber. Als Teil der kurzlebigen „Ukrainischen Volksrepublik“, dem ersten ukrainischen Nationalstaat, sollte sie in Sitscheslaw umbenannt werden.

Parteifunktionär Grigori Petrowski (1937)

Parteifunktionär Grigori Petrowski (1878-1958), zeitweise Namensgeber der Stadt

Der endgültige Sieg der Roten Armee im Dezember 1919 durchkreuzte jedoch diese Pläne. Doch auch für die Sowjetmacht stand fest, dass der Name der russischen Zarin aus dem Stadtnamen zu tilgen war. 1926 erfolgte so die Umbenennung in „Dnipropetrowsk“ (russ. „Dnepropetrowsk“) – nach dem Fluss Dnepr und dem kommunistischen Parteifunktionär Grigori Petrowski, der zur Zarenzeit hier politisch aktiv war.

Es folgten schreckliche Zeiten: Holodomor, Stalin-Terror und nicht zuletzt die Barbarei der deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg forderten ihre Opfer. Am 13. und 14. Oktober 1941 wurden etwa 11.000 Dnipropetrowsker Juden bei einer Massenexekution erschossen. Im Krieg kam es zu einer weiteren Hungersnot und enormen Zerstörungen im Stadtbild.

Nach dem Krieg wurde das bedeutende Maschinenbaukombinat Juschmasch gegründet, das neben ziviler auch strategisch wichtige Technik wie Raketen und Satelliten herstellt. Aus diesem Grund wurde Dnipropetrowsk zur „Geschlossenen Stadt“ erklärt – für Ortsfremde oder gar Ausländer wurde der Zutritt zur Stadt stark eingeschränkt.

Wirtschaftsmetropole Dnipropetrowsk

Wirtschaftsmetropole Dnipro
(Quelle: tov-tob.livejournal.com)

In der Ukraine ist Dnipro heute die drittgrößte Stadt und ein bedeutendes Finanz- und Industriezentrum. Sie wirkt um einiges geschäftiger und auch wohlhabender als das anderthalb Mal größere Charkiw. Mit Leonid Kutschma und Julia Tymoschenko hat Dnipro zwei der bedeutendsten Politiker der postsowjetischen Ukraine hervorgebracht.

Nach dem Sturz Präsident Janukowytschs machte sich die neue am Westen orientierte Elite daran, im Rahmen der sogenannten „Dekommunisierung“ das kommunistische Erbe der Ukraine zu tilgen – auch von der Landkarte. Hunderte Orte wurden umbenannt, darunter auch Dnipropetrowsk, das per Parlamentsbeschluss in Kiew am 19. Mai 2016 in „Dnipro“ umbenannt wurde. Umfragen zufolge war die Mehrheit der Einwohner für die Beibehaltung des Namens „Dnipropetrowsk“. Trotzdem dürfte ihnen die Umstellung nicht sonderlich schwer fallen, denn der neue Name bzw. die russische Entsprechung „Dnepr“ wurde in der lokalen Umgangssprache schon lange als Bezeichnung für die Heimatstadt verwendet.

Sehenswürdigkeiten

Karl-Marx-Prospekt

Der Karl-Marx-Prospekt ist Dnipros Hauptstraße. Er durchschneidet das Stadtzentrum auf 5 km Länge von Nordwesten nach Südosten, beginnend am Petrowski-Platz (dem Platz vor dem Bahnhof) und endend am Ruhmesdenkmal für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs. Der Prospekt ist eine der ältesten Straßen der Stadt. Im 19. Jahrhundert, in dem er nach der Gründerin der Stadt den Namen Katharinenprospekt erhielt, begann er sich stark zu entwickeln. Sträflingskolonnen wurden herangezogen, um die Grünanlagen in der Straßenmitte anzulegen. 1923 erfolgte die Umbenennung zu Ehren des Begründers der neuen Staatsideologie.

Hloba-Park

Sommertheater im Hloba-Park

Sommertheater im Hloba-Park
(Quelle: Wikimedia Commons / Anna480)

Läuft man entlang des Karl-Marx-Prospekts in Richtung Zentrum, so passiert man auf der rechten Seite den Hloba-Park. Der im 18. Jahrhundert angelegte Park hat seinen heutigen Namen von dem Kosakenhauptmann Lasar Hloba, dem dieses Landstück einmal gehörte. Zu sowjetischer Zeit hieß er „Tschkalow-Park“, benannt nach dem Piloten Waleri Tschkalow.

Im Zentrum der Grünanlage befindet sich ein See, an dessen Westende das Gebäude des Sommertheaters im Wasser steht. Das eigenwillige Gebäude wurde 1977 zu Ehren des 60. Jahrestages der Oktoberrevolution errichtet. Es erinnert ein wenig an die Berliner Kongresshalle und wird – analog zu deren Spitznamen „schwangere Auster“ – von den Einheimischen als „Muschel“ bezeichnet.

Wie viele andere Städte auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion hat auch Dnipro seine „Kindereisenbahn“ (in der DDR kannte man so etwas als „Pioniereisenbahn“). Am nordöstlichen Ufer des Parksees steht der „Pionierbahnhof“, von dem aus die verblüffend lebensecht wirkenden Züge auf einem Rundkurs um den See fahren.

Philharmonie

Frühes Zeugnis konstruktivistischer Architektur: Das 1912 errichtete Gebäude der Philharmonie

Frühes Zeugnis konstruktivistischer Architektur: Das 1912 errichtete Gebäuder der Philharmonie
(Quelle: Wikimedia Commons / Boris Maljutow)

Eines der interessantesten Gebäude der Stadt befindet sich in der Leninstraße, einer Querstraße des Karl-Marx-Prospekts. Im Haus mit der Nummer 6 ist heute die Philharmonie untergebracht, zu Sowjetzeiten diente es auch als Kulturhaus der Eisenbahner. Das von eleganter Schlichtheit geprägte Gebäude ist mit seinen schlitzartigen Fenstern und der gewölbten Fassade ein frühes Beispiel konstruktivistischer Architektur. Es wurde 1912 errichtet, also noch bevor dieser Stil in der Sowjetunion, befeuert von einer Art postrevolutionären Euphorie, seine Hochzeit in den 1920er und 30er Jahren erleben sollte. Ausführender Architekt war Alexander Ginsburg.

Grand Hotel Ukraina

Das Gebäude des heutigen Grand Hotel Ukraina in der Vorkriegszeit

Das Gebäude des heutigen Grand Hotel Ukraina in der Vorkriegszeit

Weiter südöstlich fällt an der Kreuzung Karl-Marx-Prospekt / Korolenko-Straße das eindrucksvolle Gebäude des Grand Hotels Ukraina mit seinem Uhrturm ins Auge. Der Unternehmer Wladimir Chrennikow ließ es im Jahr 1912 im „Ukrainischen Jugendstil“ errichten. Chrennikow war Mitglied der örtlichen Filiale von „Proswita“, einer Kulturorganisation, die sich der Förderung des ukrainischen Nationalbewusstseins verschrieben hatte. Die ukrainische Kultur sollte sich in dem Bau widerspiegeln. Beraten von dem Ethnographen und Historiker Dmitri Jawornizki griff der Kiewer Architekt Fetissow dazu auf Stilelemente der Bauweise der Saporoger Kosaken zurück. Diese zeigten sich in den sechseckigen Fenstern, dem roten Ziegeldach und den weißen Mauern, am deutlichsten aber in den Zeltdachtürmen, die leider nicht mehr erhalten sind.

Platz der Helden des Maidan / Europäischer Platz

Den Platz der Helden des Maidan, an den sich auf der anderen Seite des Karl-Marx-Prospekts der Europäische Platz und an diesen wieder die Fußgängerzone des Europäischen Boulevards anschließt, kann man wohl als das Stadtzentrum bezeichnen. Früher hieß er Leninplatz und das obligatorische Denkmal für den sowjetischen Staatsgründer durfte natürlich nicht fehlen. Im Zuge der „Revolution der Würde“, wie in der Ukraine der Sturz des Janukowytsch-Regimes offiziell bezeichnet wird, holte man ihn auch hier vom Sockel.

Die südliche Bebauung des Platzes wird von den Kuppeln der Dreifaltigkeitskirche überragt. Sie wurde 1849 am Standort eines hölzernen Vorgängerbaus errichtet und diente zur Sowjetzeit lange als Lagerhalle.

Menorah Center

Menorah Center

Menorah Center mit Choral-Synagoge „Goldene Rose“ im Vordergrund

Das wohl beeindruckendste Bauwerk des postsowjetischen Dnipro ist das Menorah Center, ein jüdisches Kultur- und Handelszentrum. Seine siebenstufige Form soll an den namensgebenden Menora-Leuchter mit seinen sieben Armen erinnern. Es wurde 2012 eröffnet und beherbergt Hotels, Restaurants, Geschäfte und eine Konzerthalle.

Das Menorah Center bezeichnet sich selbst als „größtes jüdisches Zentrum der Welt“. Es ist ein selbstbewusstes Statement jüdischen Lebens in der Stadt, deren Bevölkerung im 19. Jahrhundert zu einem Drittel aus Juden bestand. Heute machen sie noch 1% aus. Initiiert wurde der Bau des Komplexes unter anderem durch den bekannten Oligarchen Ihor Kolomojskyj.

Das Museum im Menorah Center informiert auf 3.000 qm Ausstellungsfläche über die Geschichte des Judentums in der Ukraine. Der größte Teil befasst sich dabei mit dem Holocaust. Im 18. Stockwerk befindet sich eine gegen Eintrittsgeld zugängliche Aussichtsplattform.

Choral-Synagoge „Goldene Rose“

Zum Gebäudekomplex des Menorah Center gehört auch die Choral-Synagoge „Goldene Rose“. Wie so viele Gotteshäuser wurde auch das 1852 errichtete Haus von den Sowjets zweckentfremdet und als Arbeiterklub und Lagerhaus genutzt. In den 1990er Jahren wurde es renoviert. Den Innenraum gestaltete der bekannte israelische Architekt und Bildhauer Frank Meisler.

Historisches Museum

Historisches Museum

Historisches Museum
(Quelle: Wikimedia Commons / gorod.dp.ua Cambronn)

Nahe dem südöstlichen Ende des Karl-Marx-Prospekts befindet sich das Historische Museum, das auf eine über 160-jährige Geschichte zurückblickt. 1849 im damaligen Jekaterinoslaw gegründet, war es das erste Museum der Region. Als klassisches Heimatmuseum wurden alle möglichen Antiquitäten und archäologischen Fundstücke der Region ausgestellt, aber auch antike Gegenstände aus Griechenland und Ägypten. Eine Hauptattraktion des Museums war schon damals die Mumie einer ägyptischen Frau mit Kind, die noch heute zu sehen ist.

1887 gründete der ortsansässige Unternehmer und Archäologe Alexander Pol ein Privatmuseum, in dem er unter anderem von ihm selbst gefundene Artefakte ausstellte. Vor allem der Teil des Museums, der sich den Saporoger Kosaken widmete, soll sich großer Beliebtheit erfreut haben.

Nach dem Tod Pols wurden die Sammlungen beider Museen nach und nach vereinigt. Eigens wurde dafür 1905 von den Architekten Sandezki und Panafutin das heutige Hauptgebäude errichtet. Unter Museumsdirektor Dmitri Jawornizki wuchs die Zahl der Exponate beträchtlich an. Im Zuge der Errichtung des Wasserkraftwerks bei Saporischschja fanden im Bereich des zukünftigen Stausees umfangreiche Grabungen statt. 40.000 Fundstücke fanden so den Weg ins Dniproer Museum.

In der Zeit der nazideutschen Besatzung wurde das Gebäude geräumt und diente als Sitz des deutschen „Stadtkommissars“.

Kammenyje Baby

„Kammenyje baby“ am Historischen Museum
(Quelle: Petro Vlasenko (ua.vlasenko.net))

Heute ist eine der Hauptattraktionen des Museums die Sammlung alter Steinstatuen, auf russisch „kammenyje baby“ (dt. etwa „steinerne Weiber“) genannt. Mit 80 Exemplaren ist sie eine der größten der Ukraine. Das bekannteste Stück ist der „Götze von Kernossiwka“, der 1973 bei dem Dorf Kernossiwka gefunden wurde. Er stammt aus dem 3. Jahrtausend vor Christus und gehört zur Jamnaja-Kultur. Seinen Namen verdankt er der Hypothese, dass er die Gottheit einer angenommenen indoeuropäischen Urreligion darstellt.

Das Motiv der Statuen aus skythischer Zeit (6. bis 4. Jahrhundert vor Christus) ist immer ähnlich: sie zeigen bewaffnete Krieger oder – so glaubt man – Targitaos, den mythologischen Ahnherrn der Skythen.

Den weitaus größten Teil der Sammlung machen mit 67 Stück die Skulpturen aus dem Mittelalter aus. Sie sollen vom Turkvolk der Kiptschak stammen, das sich in dieser Zeit von Osten kommend hier ansiedelte. Auch sie zeigen häufig bewaffnete Krieger, jedoch auch Frauen. Alle Kiptschak-Figuren halten ein Gefäß in der Hand, das vermutlich ein Trankopfer darstellen soll. Man vermutet, dass die Statuen zu Ehren der Vorfahren aufgestellt wurden. Meist fand man sie in der Nähe von Hügelgräbern oder sonstigen Begräbnisstätten.

Diorama „Schlacht um den Dnepr“

Diorama Schlacht um den Dnepr

Besucherplattform des Dioramas

1975, anlässlich des 30. Jahrestages des Sieges über Nazideutschland, wurde in Dnipropetrowsk ein Diorama eröffnet. Eigens wurde dafür ein hinter dem Hauptgebäude des Museums stehender, charakteristischer Rundbau errichtet.

Die 14 mal 60 Meter (840 qm) große Leinwand zeigt über einen Radius von 230 Grad die Kampfhandlungen zwischen Roter Armee und Wehrmacht im Bereich der Dörfer Wijskowe und Wownihy, etwa 40 km südlich von Dnipro. Im Herbst 1943 gelang es den sowjetischen Truppen hier, den Feind hinter

Der Raum zwischen Besucherplattform und Leinwand ist dreidimensional gestaltet, wodurch im Zusammenspiel mit akustischer Beschallung beim Betrachter der Eindruck entstehen soll, direkt am Ort des geschehens zu sein. Das Dniproer Diorama ist nach dem im russischen Belgorod, das die Weltkriegsschlacht bei Kursk zeigt, das zweitgrößte in Europa.

Gebäude des Dioramas

Das Gebäude von außen
(Quelle: Wikimedia Commons / Boris Maljutow)

Neben dem Gebäude des Dioramas ist sowjetisches Kriegsgerät verschiedener Epochen ausgestellt: die Panzer T-70 und T-34-85, Katjuscha-Raketenwerfer, Panzer- und Flugabwehrkanonen. Die beeindruckenden Raketen des radargeleiteten Flugabwehrsystems S-125 sollen zu Sowjetzeiten vielsagend auf die in Blickweite gelegene Verklärungskathedrale gerichtet gewesen sein.

Christi-Verklärungs-Kathedrale

An das Diorama schließt sich der Kathedralenplatz (1919 bis 2015 „Oktoberplatz“) an, eigentlich eher ein Park. An seinem nordöstlichen Ende steht die namensgebende Kathedrale, die der „Verklärung Christi“ geweiht ist. Sie ist das Überbleibsel jener Idee einer dritten russischen Hauptstadt am Dnepr. Man sagt, dass der Grundriss des eher als Kirchlein anmutenden Gotteshauses eigentlich nur der Altarraum der geplanten Kathedrale sein sollte, die ja bekanntlich einmal größer als der Römische Petersdom werden sollte. Die ursprünglich geplante Größe soll man an dem Eisenzaun ablesen können, der das Grundstück einfasst.

Christi-Verklärungs-Kathedrale

Christi-Verklärungs-Kathedrale
(Quelle: Sergiy Klymenko)

Der Standort der Kirche gilt als Gründungsort der Stadt. Den Grundstein legten am 9. Mai 1787 Zarin Katharina und der deutsch-österreichische Kaiser Joseph II. Die Bauarbeiten wurden durch den beginnenden Russisch-Türkischen Krieg verzögert und kamen nach Katharinas Tod im Jahr 1796 völlig zum Erliegen. Erst 1830 nahm man die Arbeiten wieder auf, wobei man sich von dem ursprünglichen Entwurf des Architekten Claude Gueroi völlig verabschiedete. Die schließlich am 9. Mai 1835 vollendete Kirche im klassizistischen Stil wird heute dem Baumeister Andrejan Sacharow zugeschrieben.

1930 wurde die Kathedrale geschlossen und die Glocken entfernt. 1975 richteten die sowjetischen Behörden ein „Museum für Religion und Atheismus“ in dem Gebäude ein – ein klares Signal an die Bevölkerung, dass Religion im realsozialistischen Staat nur mehr als kulturhistorisches Phänomen einen Platz haben sollte. Erst ab 1988 konnten wieder Gottesdienste in der Christi-Verklärungs-Kathedrale stattfinden. 1992 ging sie in den Besitz der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche Moskauer Patriarchats über.

Schewtschenko-Park und Klosterinsel

Geht man hinter der Kathedrale die Jawornizkyj-Straße hinunter, so kommt man zum „Schewtschenko-Kultur- und Erholungspark“. Von ihrer Gründung 1790 bis 1925 trug die Grünanlage den Namen „Potjomkingarten“, benannt nach Fürst Grigori Potjomkin. Im Park lag eine Residenz des berühmten Vertrauten und Liebhabers Zarin Katharinas der Großen. Das im vorderen Teil des Parks gelegene Gebäude wurde nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg nicht originalgetreu wieder aufgebaut und dient heute unter dem Namen „Studentenpalast“ als Kulturzentrum für Studierende der örtlichen Universität.

Klosterinsel mit St.-Nikolaus-Kirche und künstlichem Wasserfall

Klosterinsel mit St.-Nikolaus-Kirche und künstlichem Wasserfall
(Quelle: Wikimedia Commons / Brian Fink)

Vom Dneprufer führt eine Fußgängerbrücke auf die Klosterinsel (1926 bis 2015 „Komsomolzeninsel“), auf der sich die Parkanlage fortsetzt. Links von der Brücke braust ein künstlicher Wasserfall die Uferfelsen der Insel hinunter. Er wurde erst vor wenigen Jahren eingerichtet. Auf der Insel gelangt man auf einen großen Platz auf dem seit 1958 ein imposantes Denkmal steht. Es zeigt den ukrainischen Nationaldichter und Namensgeber des Parks Taras Schewtschenko. Es soll das größte Schewtschenko-Standbild der Welt sein.

Denkmal für den ukrainischen Nationaldichter Taras Schewtschenko

Denkmal für den ukrainischen Nationaldichter Taras Schewtschenko

Erst 1999 wurde an Nordwestspitze der Flussinsel die St. Nikolaus-Kirche errichtet. Sie soll an das Kloster erinnern, dass dem Eiland den Namen gab. Das Kloster wurde im 10. Jahrhundert von byzantinischen Mönchen gegründet. Zeitweise sollen sich hier Fürstin Olga und ihr Enkel Wladimir aufgehalten haben, der 988 die Kiewer Rus zum Christentum führte.

Der Südteil der Insel wird fast vollständig vom „Stadtstrand“ eingenommen, der zum Baden im Dnepr einlädt. Hierher gelangt man vom Festland aus auch mit einer Seilbahn, die am Ende der Dmitri-Donskoi-Straße nahe dem Hotel „Rasswet“ startet.

Anreise

Direkte Flüge nach Dnipro gibt es aus dem deutschsprachigen Raum nur von Wien aus. Ansonsten ist Umsteigen in Kiew angesagt. Die Anreise per Zug von Kiew aus ist mit dem Nachtzug möglich oder tagsüber mit dem Intercity, der für die Strecke etwa 5½ Stunden braucht.

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