Selenogradsk (Cranz)

Selenogradsk (Cranz)

Das Ostseebad Selenogradsk, das ehemalige Cranz, hat etwa 13.000 Einwohner und liegt etwa 35 Autokilometer nördlich von Kaliningrad. Selenogradsk ist das Tor zur Kurischen Nehrung, die etwa 2 km nordöstlich des Ortskerns beginnt.

Geschichte

1252 gilt als das Gründungsjahr der Siedlung Cranz. Als die Ritter des Deutschen Ordens damals die Kurische Nehrung erschlossen, soll hier ein Gasthof entstanden sein, um den herum sich mit der Zeit ein Fischerdorf entwickelte. Der Name Cranz kommt aus der kurischen bzw. altpreußischen Sprache und bedeutet Strand oder Ufer.
Das gemächliche Dasein des Ortes endete im 19. Jahrhundert mit dem Aufkommen des Badetourismus. 1816 ließ der Königsberger Arzt Friedrich Christian Kessel zwei Badebuden in Cranz aufstellen, ein Jahr später kam ein Warmbad hinzu. Es wurde eine hölzerne Strandpromenade eingerichtet, ein Herren- und ein Damenbad, sowie Stege, die weit in die Ostsee hinausführten.

Strand um 1900

Promenade

Einen Schub erhielt der Badetourismus mit der Einrichtung der Eisenbahnlinie von Königsberg nach Cranz im Jahr 1885. Der Zustrom von Touristen wuchs durch diese neue Verbindung deutlich an. Cranz wurde zum beliebtesten Seebad Ostpreußens. Die Fischerei blieb jedoch ein wichtiger Wirtschaftszweig. Geräucherte Schollen waren eine Cranzer Spezialität.

Strandhotel

Am 4. Februar 1945 nahmen sowjetische Truppen den Ort ein. Er war vom Krieg bis dahin weitgehend verschont geblieben. Mit dem im August 1945 unterzeichneten Potsdamer Abkommen wurde die künftige Zugehörigkeit Nordostpreußens und damit auch von Cranz zur Sowjetunion festgeschrieben. Als Teil der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik wurde der Ort 1947 in Selenogradsk (dt. etwa „Grünstadt“) umbenannt und zur Stadt erhoben. In seiner touristischen Bedeutung fiel das Seebad mit der Zeit hinter das benachbarte Swetlogorsk (Rauschen) zurück.

Selenogradsk ist eine wachsende Stadt. Am Ende der Sowjetära (1989) lebten hier etwa 11.000 Menschen, 2015 waren es schon 14.000. Cranz hatte vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs (1939) gut 5.000 Einwohner.

Sehenswürdigkeiten

Promenade und Strand

Strand von Selenogradsk

Strand von Selenogradsk

Die Uferpromenade aus Beton zieht sich fast 3 km entlang der Ostseeküste und ist gesäumt von Cafés und Restaurants. Ihr hölzerner Vorgänger wurde leider in den 1970er Jahren abgerissen. Auf Höhe der Freundschaftsallee (russ. alleja Druschby) ragt ein Steg etwa 150 Meter in die Ostsee. 2006 wurde an dieser Stelle außerdem der Trinkpavillon „Königin Luise“ errichtet, in dem Mineralwasser aus 240 Metern Tiefe an die Oberfläche sprudelt.

Cranz war einst für seinen breiten Sandstrand bekannt, der jedoch über die Jahrzehnte durch Erosion immer schmaler geworden ist. Breitere Strände findet man heute am westlichen und insbesondere östlichen Stadtrand.

Katzenmuseum Murarium im Wasserturm

Wasserturm

Wasserturm

Der 1905 errichtete und von 2006 bis 2012 renovierte Wasserturm der Stadt beherbergt heute das Katzenmuseum „Murarium“. Dieses verfügt angeblich über die größte Sammlung von Katzendarstellungen in ganz Russland. Die Aussichtsplattform im oberen Teil des Turms bietet einen 360°-Ausblick auf das Seebad. Außerdem befindet sich hier ein modern eingerichtetes Apartment, das gemietet werden kann.

Christi-Verklärungs-Kathedrale

Christi-Verklärungs-Kirche

Christi-Verklärungs-Kirche

In der Moskauer Str. 40 befindet sich die ehemalige evangelische St.-Adalbert-Kirche. Die neogotische Backsteinkirche mit dem 42 Meter hohen Turm stammt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie war dem heiligen Adalbert von Prag geweiht, einem Geistlichen aus dem 10. Jahrhundert, der nach Ostpreußen kam, um die Prußen zum christlichen Glauben zu bekehren. Zur Ausstattung der Kirche gehörte eine Terlecki-Orgel, die jedoch ebenso wie die drei Glocken nicht erhalten geblieben ist. Zeitweise wurde das Haus als Sporthalle und Lager genutzt. In den 1990er Jahren wurde es der russisch-orthodoxen Kirche überschrieben, die es als Christi-Verklärungs-Kathedrale neu weihte.

St.-Andreas-Kirche

St.-Andreas-Kirche

St.-Andreas-Kirche

In der gleichen Straße, Hausnummer 13a, liegt die St.-Andreas-Kirche. Dieses neogotische, ursprünglich katholische Gotteshaus wurde 1903 bis 1904 vom Königsberger Architekten Laufer errichtet. 1989 wurde es der russisch-orthodoxen Kirche übergeben und entsprechend umgebaut.

Kurhaus Cranz

1821 öffnete das Hotel Kurhaus Cranz (Kurortny prospekt 16) seine Türen, das erste Gästehaus am Ort. 14 Jahre später fiel der Holzbau mit Konzert-, Fest- und Spielsaal einem Feuer zum Opfer. Am 9. Juli 1843 feierte man im Beisein des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. die Neueröffnung. Jahrzehntelang war das Kurhaus das „erste Haus am Platz“ und eines der renommiertesten Hotels Ostpreußens. 1859 wurde angrenzenden Park ein Sommertheater errichtet. Während der Sowjetzeit stellte man vor dem Haus ein Lenindenkmal auf.

Altes Postamt

Altes Postamt

Weitere historische Gebäude

– Bahnwasserturm von 1865, ältester Turm seiner Art im Kaliningrader Gebiet, heute als Werkstatt genutzt
– Baptistenkirche, erbaut 1934, in der ul. Moskowskaja 7, heute Teil des Heimatkundemuseums
– Neogotisches Postamt, roter Ziegelbau vom Anfang des 20. Jahrhunderts, Kurortny prospekt 29
– Villa Krell, Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet vom Rechtsanwalt und Notar Max Krell, ehemaliger Bürgermeister der Stadt Memel, ul. Lenina 8
– Hotel Ostpreußen, 1906 erbaut, ul. Pogranitschnaja 1
– Wasser- und Schlammheilanstalt, alleja Druschby

Elektritschka im Bahnhof von Selenogradsk

Elektritschka im Bahnhof von Selenogradsk
(Quelle: flickr.com / sludgegulper)

Anreise

Mit dem Auto braucht man von Kaliningrad aus über die neue Autobahn etwa 40 Minuten. Die „Elektritschka“ (der Vorortzug) startet am Kaliningrader Südbahnhof und erreicht – mit Halt am Nordbahnhof – nach etwa 45 Minuten sein Ziel. Der Bus braucht vom am Südbahnhof gelegenen Busbahnhof etwa 1¼ Stunden.

Bildquelle (wenn nicht anders angegeben): Wikimedia Commons / Bars 23

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