Kronstadt

Kronstadt

Kronstadt ist Sankt Petersburgs Türsteher. Seit 300 Jahren hält die Stadt mit ihren Festungsanlagen feindliche Schiffe davon ab, zu Russlands nördlicher Hauptstadt vorzudringen. Als wichtiger Stützpunkt der Baltischen Flotte ist sie durch und durch eine Stadt der Marine.

Geschichte

Seine Existenz verdankt die Stadt der strategisch wichtigen Lage der Insel Kotlin vor Sankt Petersburg. Nach den Vorstellungen Peters des Großen sollte eine hier anzulegende militärische Befestigungsanlage seine Stadt vor feindlichen Schiffen schützen. Verständlich, schließlich wurde Sankt Petersburg mitten im Großen Nordischen Krieg (1700-1721) gegründet und das Land, auf dem die Stadt steht, erst wenige Jahre zuvor den Schweden abgetrutzt.

Als Gründungstag Kronstadts gilt der 18. Mai 1704. An diesem Tag wurde die Festung Kronschlot (von niederl. Kronslot) ihrer Bestimmung übergeben. Sie liegt nicht auf Kotlin, sondern auf einer künstlich aufgeschütteten Insel südlich davon, unmittelbar am einzigen Fahrwasser, das Schiffe auf dem Weg nach St. Petersburg befahren können. Bis zu ihrer Feuertaufe bleibt der Festung nicht viel Zeit: Schon am 12. Juni 1704 versuchen 14 schwedische Schiffe in Richtung Petersburg durchzubrechen – sie haben keine Chance. Auch Versuche, die die Durchfahrt störende Festung von der Insel Kotlin aus einzunehmen, schlagen fehl. Am 9. August ziehen die Schweden so wieder ab.

„Prospect von Petersburg und Retusari“ – Darstellung vom Ende des 18. Jahrhunderts. Links unten Schiffe der schwedischen Flotte, im Hintergrund russische Schiffe vor der Insel Kotlin, die hier mit ihrem finnischen Namen Retusari bezeichnet wird.

In den folgenden Monaten und Jahren kommt es immer wieder zu schwedischen Attacken auf die russischen Befestigungsanlagen. Ende 1705 beginnt die Bebauung der Insel Kotlin, wo so die eigentliche Stadt Kronstadt entsteht. Es werden Batterien, eine erste Festung und Hafenanlagen errichtet. Der Grundstein für die Festung Kronstadt wird 1723 gelegt. In dieser Zeit wird Kronstadt zum Hauptstützpunkt der Baltischen Flotte. 1783 wird sogar die Admiralität, das oberste Kommandoorgan der Marine, von Sankt Petersburg hierher verlegt.

1824 wird die Stadt von einem Hochwasser überschwemmt. Die Beseitigung der Folgen zieht sich über Jahrzehnte hin. Im Zuge des Krimkriegs wird Kronstadt 1854 von einer englisch-französischen Flotte attackiert. Auch dank der Seeminen, die Russland hier erstmals zu seiner Verteidigung einsetzt, entsteht kein größerer Schaden.

In den Revolutionsjahren des 20. Jahrhunderts nimmt die Kronstädter Bevölkerung aktiv Anteil an den Geschehnissen, die zum Untergang des Zarenreichs führen. Traurige Berühmtheit erlangt die Stadt jedoch im Jahr 1921 durch den Kronstädter Aufstand gegen die kommunistische Regierung.

Den Hintergrund jener Ereignisse bildete der Russische Bürgerkrieg, der kurz nach der Machtübernahme durch die Kommunisten ausgebrochen war und für eine katastrophale Versorgungslage im Land sorgte. Im August 1920 kam es bei Tambow in Zentralrussland zu einem bewaffneten Bauernaufstand gegen die zwangsweise Einziehung von Getreide. Der Aufstand wurde brutal, auch unter Einsatz von Chemiewaffen, niedergeschlagen. Tausende Aufständische kamen bei Kämpfen ums Leben, wurden hingerichtet oder in Lagern interniert.

Schlachtschiff Petropawlowsk vor Kronstadt

Schlachtschiff Petropawlowsk vor Kronstadt

Das brutale Vorgehen der Kommunisten sorgte in Teilen der Bevölkerung für Empörung. Als sich dann im Januar 1921 die Versorgungslage weiter verschärfte und die Regierung eine Kürzung der Brotration um ein Drittel anordnete, kam es schließlich zu offenen Protesten und Streiks in Moskau und Sankt Petersburg. Die Kronstädter Matrosen sympathisierten mit den Streikenden. Am 28. Februar beschlossen sie auf dem Schlachtschiff Petropawlowsk eine Resolution mit unerhörten Forderungen: u. a. freie Wahlen, Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit. Der Kommandeur der Baltischen Flotte Fjodor Raskolnikow und seine Frau, die einen luxuriösen Lebensstil geführt haben sollen, wurden aus Kronstadt verjagt.

Die kommunistischen Machthaber reagierten geschickt auf den Aufstand. Kronstadt wurde isoliert, um eine Ausbreitung des Aufstands zu verhindern. Zugleich wurde mit zusätzlichen Lebensmittellieferungen nach Petrograd erreicht, dass sich die dortigen Streiks auflösten.

Angriff der Roten Armee auf Kronstadt über das Eis der Newabucht

Angriff der Roten Armee auf Kronstadt über das Eis der Newabucht

Nachdem letzte Verhandlungsversuche gescheitert waren, begann die Rote Armee am 7. März 1921 mit der Erstürmung Kronstadts. Jedoch konnten die Aufständischen mit Hilfe der in Kronstadt vor Anker liegenden Schlachtschiffe den Ansturm mit hohen Verlusten für die Rote Armee zurückschlagen. Erst der zweite Angriff am 16. März 1921 konnte nach 18-stündigen Kampfhandlungen erfolgreich zu Ende geführt werden. 8.000 Aufständischen gelang die Flucht nach Finnland, Tausende kamen ums Leben oder wurden verhaftet.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden weite Teile der Stadt bei Luftangriffen und Artilleriebeschuss durch die Wehrmacht zerstört. Zur Zeit der Leningrader Blockade führte die sogenannte „Kleine Straße des Lebens“ vom Nordufer des Finnischen Meerbusens über Kronstadt ans Südufer. Mit Fahrzeugen über die zugefrorene Ostsee oder mit Schiffen wurden darüber die von deutschen Truppen eingeschlossenen Orte versorgt.

Nach dem Krieg machte sich die sowjetische Regierung an die Verwirklichung eines Großprojekts, zu dem es bereits Anfang des 19. Jahrhunderts Pläne gegeben hatte. St. Petersburg war von Beginn seiner Existenz an ständig von Hochwasser bedroht, was darauf zurückzuführen war, dass bei ungünstigem Wind Ostseewasser in die Newabucht gedrückt wurde. Um dieses Problem ein für alle mal zu beheben, wollte man die Newabucht mit einem Damm von der Ostsee abtrennen. Die Bauarbeiten dazu begannen 1979.

Schiffsdurchlass mit Schwenktoren als Flutschutz

Schiffsdurchlass mit Schwenktoren als Flutschutz
(Quelle: Wikimedia Commons / Ssr)

Am 18. Dezember 1984 war dann das Inseldasein Kronstadts beendet. Seit diesem Tag verbindet bereits der nördliche Teil des Damms die Insel Kotlin mit dem Festland. Der Zusammenbruch der Sowjetunion brachte jedoch einen vorübergehenden Baustopp mit sich. Unter anderem aus Sorge um die ökologischen Auswirkungen des Projekts wurde es nicht weiter verfolgt. Erst 2006 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen und der fertiggestellte Schutzwall 2011 offiziell eingeweiht. Über den Damm führt heute die Petersburger Ringautobahn, die in einem Tunnel die Fahrrinne südlich der Insel Kotlin unterquert.

Zu Sowjetzeiten war das strategisch wichtige Kronstadt übrigens eine „geschlossene Stadt“, zu der Ausländer grundsätzlich keinen und Sowjetbürger nur mit Sondergenehmigung Zutritt hatten. Erst 1996 wurde dieses Verbot aufgehoben.

Sehenswürdigkeiten

Leninprospekt

Die Hauptstraße der Stadt ist der Leninprospekt (russ. prospekt Lenina), der die Insel Kotlin in Nord-Süd-Richtung durchschneidet. In der Zeit der Zaren nannte man sie Nikolaistraße oder Herrenstraße. Letztere Bezeichnung ist darauf zurückzuführen, dass damals eine Straßenseite für Offiziere und wichtige Bürger reserviert war. Einfache Soldaten und Matrosen, die die Bevölkerungsmehrheit der Stadt stellten, durften diese Seite nicht benutzen.

Wladimirkirche

Kirche der Gottesmutter von Wladimir

Kirche der Gottesmutter von Wladimir

Am nördlichen Abschnitt des Leninprospekts, genau gesagt an der Hausnummer 32, liegt in einem kleinen Park die Kirche der Gottesmutter von Wladimir. Der heutige Bau, der am Standort eines hölzernen Vorgängerbaus entstand, wurde von 1875 bis 1882 errichtet. 1888 wurde die Unterkirche geweiht. Die Fassaden entsprechen der russischen Architektur des 17. Jahrhunderts, der Innenraum jedoch erinnert an frühchristliche Basiliken. Das Allerheiligste der Kirche war einst eine Kopie der Gottesmutter von Wladimir, die 1703 auf Weisung Peters des Großen für Kronstadt angefertigt worden war und der das Gotteshaus seinen Namen verdankt. Wie so viele Kirchen in der Sowjetunion wurde auch die Wladimirkirche einer Zwangsprofanierung unterzogen. 1931 erfolgte der Umbau zur Lagerhalle. Nachdem das Gebäude im Krieg schwer beschädigt worden war, wollte man es in den 1950er Jahren zunächst sprengen. Um die umliegenden Häuser nicht zu gefährden, wurde schließlich jedoch davon abgesehen und die Kirche dem Verfall preisgegeben. Noch unter Gorbatschow erfolgte schließlich die Rückgabe an die Orthodoxe Kirche.

Sowjetische Straße

Vom Leninprospekt geht in östlicher Richtung die Sowjetische Straße (russ. uliza Sowjetskaja) ab, die die Stadt entlang dem Obwodny-Kanal durchquert. Am Beginn der Straße liegt auf der rechten Seite der Andreasgarten mit der Kapelle der Gottesmutter von Tichwin, die Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurde. Auf der linken Straßenseite sticht das Gebäude der Marinebibliothek vom Anfang des 20. Jahrhunderts ins Auge.

Im weiteren Verlauf der Straße liegt auf der anderen Seite des Kanals der Gebäudekomplex der Admiralität, die man im Jahr 1783 von Petersburg hierher verlegen wollte. Zu dem Areal gehören unter anderem große Proviantmagazine, die über den Kanal direkt mit dem Schiff erreicht werden konnten. Trotz fortgeschrittener Bauarbeiten gab man den Verlegungsplan letztlich auf. Auf der gegenüberliegenden Seite der Sowjetischen Straße befindet sich eine alte Militärsiedlung mit Offiziershäusern vom Anfang des 19. Jahrhunderts.

Bellingshausen-Denkmal

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Bellingshausen-Denkmal
(Quelle: Wikimedia Commons / Interfase)

Weiter in östlicher Richtung befindet sich rechts der Straße in dem Katharinenpark genannten schmalen Parkstreifen ein Denkmal für Admiral Bellingshausen. Fabian Gottlieb von Bellingshausen (1778-1852) war ein russischer Seefahrer und Offizier, der aus deutschbaltischem Adel stammte. Er gilt als Entdecker der Antarktis. 1819 brach er mit einer Expedition von Kronstadt auf und segelte gen Süden, bis er am 27. Januar 1820 vermutlich als erster Mensch den antarktischen Kontinent erblickte. Mehrere geographische Objekte (z. B. die Bellingshausen-See) sowie eine russische Antarktisstation tragen seinen Namen.

Marinedom St. Nikolaus

Das wohl bekannteste Gebäude Kronstadts ist die Kathedrale St. Nikolaus. Sie ist der größte der drei sogenannten „Marinedome“ auf dem Gebiet des ehemaligen Russischen Zarenreiches – die anderen beiden befinden sich in Sankt-Petersburg und in Liepaja (Lettland) – sowie die Hauptkirche der russischen Seestreitkräfte.

Die 26,7 Meter breite goldene Kuppel des Doms ist weithin sichtbar. Dieses Merkmal nannten die Bauherren seinerzeit als Bedingung, als sie Architekten dazu aufriefen, ihre Vorschläge einzureichen. Das Kreuz an der Spitze in 70 Metern Höhe kann man sowohl von fernen Schiffen, die sich Sankt Petersburg nähern, als auch vom Festland aus sehen – bei gutem Wetter sogar vom etwa 25 km entfernt liegenden Petersburg aus.

Marinedom St. Nikolai
(Quelle: Wikimedia Commons / Aleksandrov)

Im Mai 1903 fand im Beisein der Zarenfamilie die feierliche Grundsteinlegung für den Bau nach Plänen des Architekten Wassili Kossjakow statt. 1907 begann der Innenausbau, der 1913 abgeschlossen wurde. Der Bau aus grau-gelbem Mauerwerk ist in seiner Form an die legendäre Hagia Sophia in Konstantinopel angelehnt. Sein Äußeres ist mit Putz- und Terrakottaornamenten, Majolikafriesen und Mosaiken geschmückt.

Innenraum

Innenraum
(Quelle: Wikimedia Commons / Vitold Muratov)

Auch der Innenraum ist reich verziert, die Kuppel in hellen Farben und mit viel Gold ausgemalt. Bleibenden Eindruck hinterlassen auch die steinerne Ikonostase aus weißem Marmor mit Mosaiken und die Fensterbemalungen. Wer aufmerksam hinschaut, wird überall in Form von Ankern, Fischen etc. bildliche Hinweise auf die Verbindung des Hauses mit der Seefahrt finden. Steintafeln erinnern an umgekommene Seeleute.

Auch der Kronstädter Marinedom wurde zu Sowjetzeiten profaniert. So fand hier 1927 der letzte Gottesdienst statt. Danach wurde das Gebäude zum Kino umgebaut. 1956 folgte die Umwandlung zum Marineklub mit großem Konzertsaal. 1980 wurde ein Museum eröffnet. Bei den Anpassungen des Innenraums an den jeweiligen Nutzungszweck nahm das ursprüngliche Interieur massiven Schaden. So wurde etwa die imposante Ikonostase völlig zerstört. Die Rekonstruktion des Doms begann erst in den 2000ern. Am 28. Mai 2013, zum 100. Jubiläum des Gebäudes, fand die feierliche Neuweihung statt.

Ankerplatz

Admiral-Makarow-Denkmal

Admiral-Makarow-Denkmal
(Quelle: Wikimedia Commons / Alex ‚Florstein‘ Fedorov)

An der Südseite des Ankerplatzes vor dem Marinedom steht das Denkmal für Stepan Makarow (1849-1904). Der Admiral und Kommandeur der Kronstädter Flotte war erster Vorsitzender des Komitees für den Bau des Kronstädter Marinedoms. Dessen Fertigstellung erlebte Makarow jedoch schon nicht mehr. Er starb im Russisch-Japanischen Krieg, als sein Panzerkreuzer Petropawlowsk im Gelben Meer auf eine japanische Mine lief. Ein Relief am Granitsockel stellt dieses Ereignis dar. Weitere Reliefs zeigen die Jermak, einen der ersten Eisbrecher, der nach Makarows Plänen gebaut wurde, sowie die Zerstörung eines türkischen Kriegsschiffs. Makarow hatte im Russisch-Türkischen Krieg 1877-1878 erstmals erfolgreich einen Torpedo in einer Seeschlacht eingesetzt.

Ebenfalls auf dem Ankerplatz befindet sich ein Massengrab für Kronstädter, die „im Kampf für die Revolution“ umgekommen sind, d. h. während des Aufstands von 1906, im Bürgerkrieg und bei der Niederschlagung des Kronstädter Aufstands von 1921. Seit 1984 brennt auf dem Grab eine Ewige Flamme.

Geschütz des Iwan Tombassow

Geschütz des Iwan Tombassow
(Quelle: kronshtadt.info)

Am nördlichen Ende des Ankerplatzes, am Obwodny-Kanal, stehen zwei weitere Denkmäler: Die Anker des Schlachtschiffs „Oktoberrevolution“, das im Zweiten Weltkrieg zur Verteidigung Kronstadts und Leningrads eingesetzt wurde sowie ein Artilleriegeschütz jenes Schiffs. Letzteres wird als „Geschütz des Iwan Tombassow“ bezeichnet. Dahinter steht eine für die Sowjetzeit typische Heldengeschichte: Als am Morgen des 16. April 1943 der deutsche Artilleriebeschuss Leningrads einsetzte, wurde dabei die „Oktoberrevolution“ in Brand geschossen. Da das Feuer dem Magazin des vierten Geschützturms gefährlich nahe kam, begann Bootsmann Iwan Tombassow kurzentschlossen, die Granaten über Bord zu werfen, um sein Schiff zu retten. Die letzte Granate hatte jedoch bereits Feuer gefangen und explodierte in Tombassows Händen, der für sein Heldenopfer posthum mit dem Rotbannerorden ausgezeichnet wurde.

Gusseisenpflaster der Kommunistischen Straße

Gusseisenpflaster der Kommunistischen Straße
(Quelle: Wikimedia Commons / Mat-denis)

Eine Kuriosität bildet die Straße, die den Ankerplatz nach Nordwesten hin abschließt. Ihr Belag besteht aus radförmigen, gusseisernen Elementen, die in ein Fundament aus Sand und Schotter gedrückt wurden. Die Straße, die heute als „Kommunistische Straße“ (russ. uliza Kommunistitscheskaja) auch einen etwas kuriosen Namen trägt, entstand Anfang der 1860er Jahre. Damals schätzte man die sich ergebende ebene Oberfläche des Straßenbelags. Die heutigen Pflasterelemente sind allerdings größtenteils Rekonstruktionen. Die Originale wurden zu Kriegszeiten eingeschmolzen. Ebenfalls mit Gusseisen gepflastert ist die Hanfbrücke im Südosten der Stadt. Die Kronstädter brüsten sich damit, dass es weltweit nur in ihrer Stadt gusseiserne Straßenpflaster gebe.

Sommergarten und Schluchtenpark

Makarow-Brücke

Makarow-Brücke

An den Ankerplatz schließt sich südlich der Schluchtenpark an. Seinen Namen verdankt der Park seiner Talform. Den zentralen Wasserlauf, der für das nahegelegene Peterdock von Bedeutung ist, kann man über die sehenswerte Makarow-Hängebrücke überqueren. Im Südosten schließt sich ein weiterer Park an, der Sommergarten, der als historisches Denkmal unter staatlichem Schutz steht. Seine Hauptallee bildete einst Kronstadts erste Straße. An ihr hatte Stadtgründer Peter der Große ein Häuschen, das aber schon im 19. Jahrhundert verschwand.

Ehemalige Elisabethkirche

Ehemalige Elisabethkirche
(Quelle: Wikimedia Commons / Jekaterina Borissowa)

Elisabethkirche

An der Leningrader Straße, fast am östlichen Ende der Stadt, liegt die ehemalige Elisabethkirche. Das lutherische Gotteshaus entstand in den Jahren 1836-1838 nach Plänen des Petersburger deutschen Architekten Eduard Anert, nachdem ein hölzerner Vorgängerbau einige Jahre zuvor abgebrannt war. Das klassizistische Gebäude lässt nicht unbedingt erahnen, dass es einmal als Gotteshaus diente, zumal die Kuppel im hinteren Teil nicht erhalten ist.

Nikolaikirche und Elisabethkirche auf einer historischen Postkarte

Nikolaikirche (links) und Elisabethkirche auf einer historischen Postkarte

Gleich links neben der Elisabethkirche befand sich zur Zarenzeit mit St. Nikolai noch eine weitere lutherische Kirche. Diese gehörte zur „Evangelisch-lutherischen Kirche des Ingermanlandes“, einer evangelischen Kirche in skandinavischer bzw. finnischer Tradition. Das Gebäude aus den 1860er Jahren wurde auf dem Grundstück der Elisabethkirche errichtet. Durch die massenhafte Emigration protestantischer Kronstädter deutscher, skandinavischer und baltischer Herkunft lösten sich beide Gemeinden nach der Oktoberrevolution innerhalb weniger Jahre praktisch auf. In den Jahren 1925/26 wurden beide Kirchen geschlossen. Die Nikolaikirche wurde in den 1930er Jahren abgerissen. Das Gebäude der Elisabethkirche wird heute von der Kronstädter Filiale des Petersburger Wasserversorgungsunternehmens genutzt.

Museum der Geschichte Kronstadts

Gegenüber der Elisabethkirche liegt das Museum der Geschichte Kronstadts. Der größte Teil der Ausstellung widmet sich der Geschichte der Stadt von der Gründung bis zur Gegenwart. Ein ganzer Saal befasst sich dabei mit der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Großen Raum nimmt auch das Thema Meer ein. In der Ausstellung zur „Geschichte des Schiffbruchs“ sind Teile von Schiffen zu besichtigen, die im Finnischen Meerbusen sanken. Ein weiterer Teil des Museums befasst sich mit der Arbeit unter Wasser. Hier kann man etwa historische Taucherausrüstungen bewundern.

Geht man die Leningrader Straße in östlicher Richtung weiter gelangt man auf die Touloner Straße (russ. uliza Tulonskaja), die zum städtischen Badestrand führt.

Peterpark

Denkmal Peters des Großen

Denkmal Peters des Großen
(Quelle: Wikimedia Commons / Blindpew100)

Gepflegter als der Sommergarten ist der Peterpark (russ. Petrowski park), der heute als die wichtigste Grünanlage der Stadt gilt. In seinem Zentrum steht ein Denkmal für Peter den Großen, das 1841 errichtet wurde. Mit erhobenem Haupt scheint der Zar, der als Gründer der russischen Flotte gilt, hinaus aufs Meer auf die Schiffe zu blicken. Den südlichen Abschluss des Parks bildet der Peterkai, von wo aus man selbst einen Blick auf die in Kronstadt liegenden Schiffe werfen kann. Der Peterkai war schon immer der „Paradehafen“ der Stadt, was die als Schmuck aufgestellten gusseisernen Vasen oder Kanonen unterstreichen. Ein von hier abgegebener Kanonenschuss signalisiert den Kronstädtern seit 1872 jeden Tag um 12 Uhr, dass die Mitte des Tages erreicht ist.

Mole mit Leuchtturm

Mole mit hölzernem Leuchtturm, links der Peterkanal

Mole mit hölzernem Leuchtturm, links der Peterkanal
(Quelle: Wikimedia Commons / Pavlikhin)

Wer an der nordwestlichen Ecke des Peterparks die Dockbrücke über den Peterkanal (Petrowski kanal) überquert, kann auf einer Mole entlang dem Peterkanal bis zu einem Leuchtturm vorlaufen. Erst aus der Nähe ist zu erkennen, dass es sich bei dem Baumaterial des Turms nicht etwa um Stein, sondern um weiß gestrichenes Holz handelt. Der Bau des Turms begann 1772. Er markiert die Einfahrt zum einige Jahre zuvor errichteten Peterdock. Der Leuchtturm selbst ist noch in Betrieb und kann deshalb nicht betreten werden. Aber auch von der Mole ist in südwestlicher Blickrichtung die Festung Kronschlot zu sehen.

Peterdock

Peterdock

Peterdock
(Quelle: Wikimedia Commons / Jekaterina Arutjunowa)

Das sogenannte Peterdock (russ. Petrowski dok) ist ein einzigartiges Zeugnis der Schiffbaugeschichte. Zar Peter, der sich bekanntlich intensiv mit dem Schiffbau befasste, wollte in Kronstadt ein Trockendock haben, das es erlaubte, Arbeiten am sonst unter Wasser liegenden Teil von Schiffen vorzunehmen. An den Trockendocks der damaligen Zeit störte ihn jedoch, dass zwischen dem Hereinfahren der Schiffe und dem Beginn der Arbeit erst ein tagelanges, mühsames Abpumpen des Wassers aus dem Dock stand. Der Überlieferung zufolge ersann der Zar selbst eine Lösung für dieses Problem, auf deren Grundlage dann das Peterdock errichtet wurde. So verband ein Kanal, der durch den heutigen Schluchtenpark verläuft, das Dock mit einem tieferliegenden Bassin. Bis zu zehn Schiffe konnten in das Dock einlaufen. Dann wurden die Schleusentore zur Meerseite geschlossen und das Wasser in das Bassin abgelassen. Während der Reparaturarbeiten an den Schiffen wurde dann das Bassin wieder leergepumpt, sodass keine lästigen Wartezeiten entstanden. Der Bau an diesem ausgeklügelten System dauerte Jahrzehnte – von 1719 bis 1752. Bauherr Peter, der schon 1725 starb, erlebte die Fertigstellung nicht mehr. Noch bis 2008 wurden Teile des Docks genutzt.

Italienisches Palais

Italienisches Palais mit Pachtussow-Denkmal

Italienisches Palais mit Pachtussow-Denkmal
(Quelle: Wikimedia Commons / Kletkin)

Westlich des Peterdocks liegt an der Makarowstraße das Italienische Palais (russ. Italjanski dworez). Es wurde in den 1720er Jahren von dem deutschen Architekten Johann Friedrich Braunstein und italienischen Baumeistern errichtet. Als wichtiger Vertreter des Petrinischen Barock zeichnet Braunstein für zahlreiche Bauten und Anlagen in Peterhof verantwortlich. Das Italienische Palais war Kronstädter Residenz von Fürst Alexander Menschikow, Petersburger Generalgouverneur und Vertrauter Peters des Großen. Bald nach dem Tod Peters fiel Menschikow in Ungnade. Das Gebäude wurde verstaatlicht und u. a. als Navigationsschule genutzt.

Vor dem Italienischen Palais liegt der sogenannte Italienische Teich, der den Obwodny-Kanal mit dem Meer verbindet. An der Makarowstraße vor dem Palais steht seit 1886 ein Denkmal für Peter Pachtussow (1800-1835). Der gebürtige Kronstädter beendete 1820 seine Ausbildung an der Navigationsschule und machte sich später als Erforscher Nowaja Semljas einen Namen. Seine Expedition in den Jahren 1832-33 war Grundlage für die erste Karte der gesamten Ostküste des Archipels.

Kronstädter Pegel

Mareograf

Mareograf
(Quelle: Wikimedia Commons / Florstein)

Am westlichen Ende des Italienischen Palais, an der Blauen Brücke (russ. Sinij most), steht ein kleines gelbes Gebäude mit Spitze, das den Kronstädter Mareografen beherbergt. Hier wird laufend die Höhe des Meeresspiegels – der Kronstädter Pegel – gemessen. Bis zur politischen Wende war dieser der Richtwert für Höhenangaben in ganz Osteuropa, einschließlich der DDR.

Forts

Fort Alexander I.

Fort Alexander I.
(Quelle: Wikimedia Commons / Blindpew100)

Auf dem Gebiet Kronstadts befinden sich Dutzende Festungsanlagen und Forts, viele davon auf vorgelagerten, künstlichen Inseln. Mit der Zeit verloren die Anlagen ihre strategische Bedeutung. Viele sind seither dem Verfall preisgegeben. Das südlich der Insel Kotlin am Fahrwasser liegende Fort Alexander I. wurde Anfang des 20. Jahrhunderts als Laboratorium zur Erforschung eines Mittels gegen die Pest genutzt. Im Volksmund wird es daher auch als „Pestfort“ bezeichnet. Touristisch erschlossen ist das Fort Konstantin. Es liegt auf der Insel Kotlin dort, wo die Petersburger Ringautobahn in einem Tunnel das Fahrwasser unterquert. Weitere trockenen Fußes zu erreichende Forts liegen an der Westspitze der Insel. Im Sommer werden Bootstouren zu den nördlich und südlich der Insel vorgelagerten Forts angeboten. Wenn die Newabucht im Winter zufriert, sind einige Forts auch zu Fuß über das Eis zu erreichen. Ortsfremden wird von solchen Ausflügen jedoch dringend abgeraten.

Petersburger Damm

Von einer Landzunge am Fort Konstantin aus lässt sich ein Blick auf die Stelle im Petersburger Damm werfen, an der dieser von Hochseeschiffen durchquert werden kann. Bei einer Sturmflut kann dieser Schiffsdurchlass mit Hilfe riesiger Tore geschlossen werden, um Sankt Petersburg vor dem Hochwasser zu schützen.

„Meteor“ vor der Peter-und-Paul-Festung in Sankt Petersburg
(Quelle: Wikimedia Commons / Serguei S. Dukachev)

Anreise

Von Sankt Petersburg aus kann man Kronstadt im Rahmen einer organisierten Bustour besuchen. Wer lieber auf eigene Faust unterwegs ist, muss den Linienbus 101 von der Metrostation Staraja derewnja, die Marschrutka K405 von der Metrostation Tschornaja retschka oder die Marschrutka K407 von der Station Prospekt prosweschtschenija aus nehmen. Die Bushaltestelle in Kronstadt befindet sich in der Graschdanskaja uliza, nahe der Kreuzung mit dem Leninprospekt. Alternativ erreicht man Kronstadt auch mit dem Tragflügelboot („Meteor“), etwa vom Schlosskai an der Schlossbrücke (auf der Seite der Admiralität) aus.

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