Riza-Nationalpark

Riza-Nationalpark

Die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit Abchasiens ist der etwa 40 km von der Küste entfernt im Kaukasus liegende Rizasee – und das nicht ohne Grund. Das Panorama der grünlich schimmernden Wasserfläche vor den dichten Wäldern und den darüber thronenden, teils schneebedeckten Berggipfeln ist wirklich grandios. Zum Schutz dieses einzigartigen Ortes wurde in den 1930er Jahren ein Naturschutzgebiet geschaffen, aus dem 1996 der Riza-Nationalpark hervorging. Schon die Anfahrt zum Rizasee durch Täler und Schluchten ist ein Erlebnis. An der Straße und rund um den See gibt es weitere natürliche Sehenswürdigkeiten sowie von Menschenhand gemachte: die Datschen Stalins und Chruschtschows am Seeufer.

Von der Küstenstraße zum Rizasee

Festung Bsyb

Wo die Küstenstraße, Abchasiens wichtigste Verkehrsader, den Fluss Bsyb überquert, zweigt im Ort Bsypta die 40 km lange Straße zum Rizasee ab. Sie wurde in den Jahren 1932 bis 1936 gebaut und 1966 erneuert. Kurz vor dem Ortsausgang befindet sich auf der linken Seite die erste Sehenswürdigkeit auf dem Weg in die Berge. Auf einer Anhöhe liegt hier Ruine der Bsyb-Festung aus dem 8.-9. Jahrhundert. Teil der Ruine aus grauem Stein sind die Überreste einer dreischiffigen Kirche. Zusammen mit der 7 Kilometer flussaufwärts gelegenen Festung Chassan-Abaa, mit der sie durch ein Signalisationssystem verbunden war, diente die Festung Bsyb einst dazu, den Eingang zum Tal des Flusses Bsyb zu kontrollieren.

Wasserfall Mädchentränen

Touristen am Wasserfall Mädchentränen

Touristen am Wasserfall Mädchentränen
(Quelle: Hons084 / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0)

Nach gut 2 km fallen auf der linken Straßenseite bunte Bänder ins Auge, die auf den Wasserfall „Mädchentränen“ hinweisen. Touristen haben die Bänder hier aufgehängt, denn das soll Glück in der Liebe bringen. Einer Legende zufolge entstand der Wasserfall nämlich aus einer Liebesgeschichte. So wollte eine böse Nixe hier einst das Mädchen Amra von einem Felsen stürzen, weil sie neidisch auf deren Liebesglück mit dem Jungen Adgur war. Amra begann bitterlich zu weinen. Im letzten Moment wurde sie vom Wassergott gerettet, der die Nixe in einen Stein verwandelte. Wo Amra Tränen vergoss, entstand der Wasserfall, der tatsächlich an Tränen erinnert. Das Wasser dringt hier an vielen Stellen aus der Felswand und rinnt über dort wachsende Pflanzen und Gräser nach unten, bis es auf den Straßenrand tröpfelt.

Blauer See

Blauer See
(Quelle: Hons084 / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0)

Höhle Aschjugra-Achp

An einem benachbarten Abhang befindet sich 150 Meter über dem Tal die Höhle Aschjugra-Achp, die nach ihrem Entdecker auch Solowjow-Grotte genannt wird. Zwar ist sie als Höhle nicht weiter besonders – sie ist nur 18 Meter lang – jedoch wurden hier 1964 bemerkenswerte Funde gemacht: Feuersteinwerkzeuge aus der Steinzeit, Keramiken der sogenannten Maikopkultur aus dem 3. Jahrtausend vor Christus sowie menschliche Knochen.

Blauer See

14 Kilometer nach der Abzweigung von der Küstenstraße beginnt der Nationalpark. An einem Kontrollpunkt muss hier eine „Umweltabgabe“ für die Einfahrt gezahlt werden. Nach einem weiteren Kilometer liegt auf der linken Seite der sogenannte „Blaue See“. 107 Meter über dem Meeresspiegel ist dies der tiefste Punkt des Nationalparks. Der See mit 20 Metern Durchmesser wird aus einer Karstquelle gespeist und beeindruckt durch die hellblaue Farbe seines Wassers. Diese soll durch Lasursteinablagerungen am bis zu 24 Meter tiefen Grund des Sees hervorgerufen werden. Das Wasser ist ziemlich kalt. Es hat an der Oberfläche ca. 10°, in der Tiefe aber nur 2° C.

Gega-Wasserfall

Gega-Wasserfall
(Quelle: Wikimedia Commons / Natalja Filatowa)

Gega-Wasserfall

Ab Kilometer 19 folgt die Straße dem Fluss Gega, der hier in die Bsyb fließt. An der Mündung steht ein Erdbeerbaum, was ungewöhnlich ist, weil diese Art normalerweise nur an der Küste wächst. Ab Kilometer 25 wiederum wechselt die Straße in die enge Schlucht der Jupschara in Richtung Rizasee. Da das Wasser der Jupschara im Gegensatz zu dem der Gega kristallklar ist, ergibt sich an der Mündung ein interessanter Eindruck. Wer links auf eine nur mit dem Geländewagen befahrbare Piste abbiegt, folgt weiterhin der Gega und gelangt nach 5 km zum Gega-Wasserfall. Auf dem Weg liegt der „Wasserfall der Verliebten“, der jedoch kleiner ist als der Gega-Wasserfall. Letzterer ist 60 Meter hoch und entsteht dadurch, dass ein zuvor unterirdischer Fluss aus einer Felswand herausfließt. Er gilt als einer der schönsten Wasserfälle Abchasiens.

In der Jupschara-Schlucht

In der Jupschara-Schlucht
(Quelle: Wikimedia Commons / LxAndrew)

Jupschara-Schlucht

Wer weiter zum Rizasee will, muss durch die enge Jupscharaschlucht, die an der engsten Stelle nur noch 22 Meter breit ist. Die Felswände, die praktisch senkrecht an beiden Seiten aufragen, sind bis zu 400 Meter hoch. Die Schlucht beeindruckt auf dem Weg zum Rizasee gleich zweimal: das erste Mal, wenn man sie passiert, und noch einmal, wenn man an der Aussichtsstelle Tschabgara halt macht und den grandiosen Ausblick auf den zurückgelegten Weg genießt. Von hier aus sieht man noch einmal aus einer anderen Perspektive, wie eng die Spalte ist, durch die man gerade hindurchgefahren ist. Der Aussichtspunkt trägt übrigens auch den Namen „Lebe Wohl, Heimat!“, was damit erklärt wird, dass hier Fahrzeuge von der Straße abgekommen und abgestürzt sein sollen – je nach Erzählung waren dies Soldaten oder aber Arbeiter, die auf der Baustelle für Stalins Datscha eingesetzt waren.

Rund um den Rizasee

Rizasee

Bis zum Rizasee sind es nun nur noch ein paar Serpentinen. Direkt am Südufer, wo die Jupschara und die ihr folgende Straße den See verlassen, befindet sich eine große Aussichtsplattform, von der aus man einen guten Blick auf den See und die dahinter aufragenden bis zu 3.200 m hohen Kaukasusgipfel hat. Kaum zu glauben, dass dieses Kleinod erst 200 bis 300 Jahre alt ist. Ein Bergrutsch in Folge eines Erdbebens schuf damals diesen natürlichen Stausee. Er liegt 950 m über dem Meeresspiegel und ist 2.500 m lang und 270 bis 870 km breit. Die Hänge am Ufer sind mit 45-60° sehr steil, was sich unter Wasser fortsetzt. Der Rizasee ist dementsprechend tief – weit über 100 m. Sechs Flüsse münden in den See. Mit der Jupschara gibt es nur einen Abfluss.

Stalin-Datscha

Stalin-Datscha
(Quelle: www.abhaziya.travel)

Heute ist der See – insbesondere im Sommer – ein vielbesuchtes Ausflugsziel. Erst der Bau der Zufahrtsstraße in den 1930er Jahren machte dies möglich. Vorher war die Gegend nahezu unzugänglich – auch für Geografen. So wurde der See erst 1865 erstmals auf einer Landkarte verzeichnet – und das sehr ungenau. Noch 1912 zeigten ihn Landkarten etwa 5 km von seiner tatsächlichen Position entfernt. Die Vegetation rund um den See besteht bis zu einer Höhe von 1.600 m aus Tannen- bzw. Mischwald. Hier leben Rehe, Rothirsche, Wildschweine, Füchse, Wölfe, Wildkatzen und Lüchse.

Milchwasserfall

Milchwasserfall
(Quelle: Hons084 / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0)

Stalin-Datscha

Am Nordufer des Sees liegt die ehemalige Datscha Stalins, ein unauffälliges Gebäude, das – wie sein Pendant in Gagra – zur Tarnung grün angestrichen wurde. Heute befindet sich hier ein Museum, jedoch wird das Haus auch als Residenz der abchasischen Staatsführung genutzt. Reist hoher Besuch aus Suchumi an, wird das Museum vorübergehend geschlossen. Die legendäre Angst Stalins vor Attentaten sorgt auch hier für kuriose Geschichten. So heißt es, Stalin habe in der Residenz, die aus mehreren, miteinander verbundenen Wohnblocks besteht, nachts heimlich die Zimmer gewechselt, um mögliche Attentäter zu verwirren. Das Areal wurde später auch von Chruschtschow und Breschnew genutzt.

Milchwasserfall

Die Straße, die gegen den Uhrzeigersinn um den See herum zur Stalin-Datscha führt, passiert den am Ostende des Sees gelegenen Milchwasserfall. Seinen Namen verdankt dieses Naturdenkmal der Farbe seines Wassers, das auf seinem turbulenten Weg von den Gletschern des Berges Azetuk derart mit Mineralien und Luftbläschen angereichert wird, dass es nicht nur am Wasserfall milchweiß aussieht. Erstaunlicherweise macht es auch in ruhigem Zustand einen milchigen Eindruck.

Kleiner Rizasee

Kleiner Rizasee
(Quelle: Wikimedia Commons / SKas)

Kleiner Rizasee

Die kleine Schwester des Rizasees liegt etwa 5 km vom Rizasee entfernt. Der Weg dorthin beginnt am Südende des Sees, wo sich zunächst eine asphaltierte Straße in Serpentinen den Berg in westlicher Richtung hinaufschlängelt. Am Ende der Straße beginnt ein Wanderweg, der zum Kleinen Rizasee führt. Für den Weg braucht man etwa eine Stunde. Der nur 200 Meter lange aber beeindruckende 76 Meter tiefe See gilt als der klarste See Abchasiens. Er liegt 1.235 Meter über dem Meer und wird allein aus Niederschlagswasser gespeist. Es gibt keine Zu- und Abflüsse. Wohl aufgrund dieser Isolation und der Tatsache, dass der See – wie der Rizasee – erst vor 200 bis 300 Jahren entstand, gibt es keine Fische im Kleinen Rizasee. Die größten Lebewesen im See sind Molche.

Jenseits des Rizasees

Tal der sieben Seen

Etwa 15 km östlich des Rizasees liegt das Tal der sieben Seen. Bis zum Pyw-Pass kann der Weg mit dem Fahrzeug zurückgelegt werden. Von dort aus führt ein Wanderweg zum Tal der sieben Seen. Es geht über den Kamm des Gebirges, das das Laschipsetal im Norden und das Aguripstatal im Süden voneinander trennt. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick auf die schneebedeckten Gipfel des Kaukasushauptkamms. Bis zu den Gletscherseen sind es etwa 2 Stunden Fußmarsch. Die Vegetation ist hier bereits alpin, es wachsen keine Bäume mehr, stellenweise stößt man auf Schneefelder. Ende Juni, Anfang Juli ist hier blühender Rhododendron anzutreffen. An den Seen wurden Reste steinerner Bauten gefunden. Die Abchasen hielten diese früher für Hinterlassenschaften von in den Bergen lebenden Zwergen, die in der abchasischen Sagenwelt Azanen heißen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass es sich bei den Steingebilden um Überbleibsel von Bauten handelt, die im Mittelalter durch Hirten errichtet wurden.

Auadchara

Auadchara
(Quelle: Wikimedia Commons / GvozdevN)

Kurgebiet Auadchara

Biegt man vom Rizasee kommend nicht nach rechts zum Pyw-Pass ab, sondern folgt der Straße nach Norden, so gelangt man zum Kurgebiet Auadchara. Es liegt auf etwa 1.700 m Höhe und ist bekannt für seine Mineralquellen. Das Wasser wird z. T. nach Suchumi transportiert und dort für den Verkauf auf Flaschen abgefüllt. Nach dem georgisch-abchasischen Krieg kam der Kurbetrieb hier fast völlig zum erliegen und entwickelt sich erst langsam wieder.

Msysee

Msysee
(Quelle: www.abhaziya.travel)

Msysee

Am Ende der Straße im Auadchara-Tal beginnt ein Wanderweg, der zum Gletschersee Msy an der russischen Grenze führt. Der Weg verläuft parallel zum Fluss Msymna, der aus dem Msysee entspringt. Nur etwa 1 km entfernt liegen auf der russischen Seite der Grenze fünf weitere Gletscherseen.

Hinweis zu Reisen nach Abchasien

Das faktisch von Georgien unabhängige Abchasien wird von den meisten Staaten der Welt weiterhin als Teil Georgiens betrachtet. Somit sind die Botschaften in Tiflis für den konsularischen Schutz ihrer Staatsbürger auf abchasischem Gebiet zuständig, können diesen jedoch aufgrund des umstrittenen Status Abchasiens nicht gewähren. Das Auswärtige Amt rät deshalb dringend von Reisen nach Abchasien ab.

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