Adler

Adler

Der Ort mit dem für deutsche Ohren seltsam vertraut klingenden Namen „Adler“ ist der südlichste Teil der Stadt Sotschi und hat für die etwa 100 km lange Stadt am Schwarzen Meer vor allem verkehrstechnisch große Bedeutung. In Adler liegt der Flughafen von Sotschi und der Bahnhof Adler ist Endstation aller Fernzüge nach Sotschi. Zudem liegt der Ort am Eingang zum Msymtatal, durch das die Straße zum Wintersportzentrum Krasnaja Poljana führt.

Geschichte

Heiliggeist-Festung

Heiliggeist-Festung

Bis ins 19. Jahrhundert wurde die Gegend um Adler von den Sadsen beherrscht, einem abchasischen Volksstamm. Die russische Geschichte Adlers begann 1837, als hier die „Heiliggeist-Festung“ errichtet wurde. Zuvor war die Nordostküste des Schwarzen Meeres nach dem Russisch-Türkischen Krieg 1829 Russland zugefallen. Jedoch kämpfte das Zarenreich weiterhin gegen die einheimischen Völker um die Vorherrschaft im Kaukasus. Im Juni 1837 kam bei einem solchen Gefecht der Schriftsteller Alexander Bestuschew-Marlinski ums Leben. Dieser war als einfacher Soldat auf der Festung stationiert, nachdem er wegen seiner Beteiligung am Dekabristenaufstand im Jahr 1825 in Ungnade gefallen war.

Für den Ort, an dem die Festung stand, hielt sich bei den Einheimischen die türkische Bezeichnung Artlar. 1869 entstand so an diesem Ort die russische Siedlung Adler. Der russische Staat hatte ein Interesse daran, die neu gewonnenen Gebiete besiedeln zu lassen. So kamen Siedler aus allen Teilen des Reiches, um ihr Glück am Schwarzen Meer zu finden. Durch Hungersnöte im russischen Kernland wurde diese Entwicklung noch befördert. Von der unterschiedlichen Herkunft der Siedler zeugen heute noch die Namen einiger Ortsteile, z. B. Estossadok (Esten) oder Moldowka (Moldawier). Zur Zeit der Sowjetunion wurde Adler, wie die gesamte russische Schwarzmeerküste, für den Massentourismus erschlossen.

Uferpromenade in Adler

Uferpromenade in Adler
(Quelle: Wikimedia Commons / Andrei Bobrowski)

1961 wurde der Ort im Zuge einer Gebietsreform Teil der Stadt Sotschi, die seitdem die zweitlängste Stadt der Welt (nach Mexiko-Stadt) ist. Im Vorfeld der Olympischen Winterspiele setzte in Adler eine rege Bautätigkeit ein. Es entstanden neue Infrastrukturobjekte wie Straßen und Bahnhöfe sowie der Olympiapark mit Wettkampfstätten und dem Olympischen Dorf.

Sehenswürdigkeiten

Ortszentrum

Bestuschew-Marlinski-Denkmal

Bestuschew-Marlinski-Denkmal
(Quelle: Wikimedia Commons / Sergei Kasanzew)

Das recht unscheinbare Zentrum Adlers befindet sich auf der rechten Seite der Msymtamündung, ein paar Kilometer südöstlich des Bahnhofs. An der zur Fußgängerzone umgebauten Karl-Marx-Straße liegt seit Ende der 1980er Jahre das Museum der Geschichte Adlers mit seinen über 17.000 Exponaten zur Geschichte der Orts von den ersten menschlichen Siedlungen bis zum Zweiten Weltkrieg.

An ihrem südwestlichen Ende trifft die Fußgängerzone auf die Strandpromenade. Im nahegelegenen Bestuschew-Marlinski-Park steht ein Denkmal für Alexander Bestuschew. Der Schriftsteller und Dekabrist fiel 1837 im Kaukasuskrieg bei Adler. Gegenüber dem Park steht an der Bestuschewstraße das Gotteshaus St. Sarkis (bzw. St. Sergius) der Armenischen Apostolischen (also orthodoxen) Kirche. Das Gebäude wurde erst 1993 errichtet.

Weiter östlich, am Ufer der Msymta, liegt der Siegespark von Adler. Hier wird der Opfer Adlers im Zweiten Weltkrieg gedacht – unter anderem mit einem aufgestellten Schützenpanzer. Am Südende des Parks überquert eine Fußgängerbrücke die Msymta, über die man in den Südteil Adlers gelangt.

Park

Park „Südliche Kulturen“
(Quelle: Wikimedia Commons / Dmitri Grischin)

Park „Südliche Kulturen“

Hier befindet sich etwa der Park „Südliche Kulturen“, der im Jahr 1911 auf dem Anwesen des Generals Daniil Dratschewski durch den Petersburger Landschaftsarchitekten und Dendrologen Arnold Regel angelegt wurde. Der Landschaftspark gilt als einer der schönsten der russischen Schwarzmeerküste. Man findet hier einen beeindruckenden Rosengarten und insgesamt mehr als 1.400 verschiedene Pflanzenarten, darunter libanesische Zedern, japanische Kirschbäume und Zypressen. Der Park war in den Jahren vor den Olympischen Spielen etwas in Vergessenheit geraten und verwahrlost sowie durch Stürme verwüstet worden.

Olympiapark

Etwa einen Kilometer weiter Richtung Südosten liegt der Olympiapark. Dass Adler als Ort für dessen Bau ausgewählt wurde, ist kein Wunder. In der Imeretiebene gelegen, war dies der einzige Ort im Stadtgebiet Sotschis, an dem ausreichend großflächiger, ebener Bauplatz zur Verfügung stand. Zudem ist Adler der Teil Sotschis, der dem Wintersportort Krasnaja Poljana am nächsten liegt.

Die Bauarbeiten begannen im Jahr 2007. Um Platz zu schaffen, wurde die hier gelegene Siedlung Marlinski abgerissen. Die Bewohner wurden umgesiedelt. Einziges Relikt, das auf die frühere Existenz des Orts hinweist, ist der erhaltene Friedhof, der heute wie ein kreisförmig eingekapselter Fremdkörper mitten auf dem Olympiagelände liegt.

Medals Plaza mit Olympischem Feuer vor dem Hintergrund des Kaukasus

Medals Plaza mit Olympischem Feuer vor dem Hintergrund des Kaukasus
(Quelle: Wikimedia Commons / Atos International)

Medals Plaza

Zentrum des Olympiaparks ist die Medals Plaza, um die herum verschiedene Sportstätten und Einrichtungen positioniert sind. Am Südende des Platzes liegt ein Wasserbecken, über dem eine ca. 50 Meter hohe fackelartige Konstruktion thront, an der zur Zeit der Olympiade das Olympische Feuer brannte. Als Ganzes betrachtet soll das Bauwerk einen Feuervogel darstellen, eine Figur der slawisch-russischen Märchenwelt. Die Fackel bildet dabei den Kopf und die Flügel am Fuß der Fackel umschließen das Wasserbecken im Halbkreis.

Auf der anderen Seite des Platzes befindet sich die „Wand der Champions“, an der die teilnehmenden Mannschaften und die Medaillengewinner der Winterolympiade von 2014 verewigt sind.

Olympiastadion Fischt

Das Fischt-Stadion

Das Fischt-Stadion von der Tribüne aus gesehen
(Wikimedia Commons / Edgar Breschtschanow)

Das Olympiastadion von Sotschi trägt den Namen „Fischt“ nach einem 2.867 Meter hohen Kaukasusgipfel bei Krasnaja Poljana. Die Form des zwischen 2007 und 2013 von dem internationalen Architekturunternehmen Populous errichteten Stadions soll entsprechend an einen schneebedeckten Berg, aber auch an eine offene Muschel erinnern. Ursprüngliche Pläne, es in Form eines Fabergé-Eis zu gestalten, wurden verworfen. Das Stadion hat über 40.000 Plätze. Hier fanden 2014 die Eröffnungs- und Schlusszeremonie der Olympischen und der Paralympischen Winterspiele statt. Danach wurde es vorübergehend geschlossen und für die Fußballweltmeisterschaft 2018 umgebaut.

Eisarena Schaiba

Eisarena "Schaiba"

Eisarena „Schaiba“
(Wikimedia Commons / SKas)

Rechts neben dem Olympiastadion steht die Eisarena mit dem Namen „Schaiba“, dem russischen Wort für „Puck“. Und in der Tat erinnert sie von der Form her an einen Puck. Es ist wohl überflüssig zu sagen, dass hier ein Teil der Eishockeywettbewerbe ausgetragen wurde. Kurios: Ursprünglich war geplant, die Arena nach den Spielen ab- und in einer anderen russischen Stadt wieder aufzubauen – im Gespräch waren Wladikawkas, Krasnodar und Nischni Nowgorod. Später stellte sich jedoch heraus, dass dieses kühne Vorhaben aufgrund der Besonderheit des Fundaments gar nicht umsetzbar ist. Der zwischen 2010 und 2013 errichtete Bau fasst etwa 7.000 Zuschauer und wird heute als „Kinder-Sportgesundheitszentrum“ genutzt.

Eispalast

Eispalast „Bolschoi“
(Quelle: Wikimedia Commons / Nikita Woronzow)

Eispalast Bolschoi

Curlingcenter

Curlingcenter „Ledjanoi kub“
(Quelle: Wikimedia Commons / Katarzyna Wicik)

Hauptaustragungsort der Eishockeywettbewerbe war der benachbarte Eispalast „Bolschoi“. 12.000 Zuschauer finden in dem Gebäude Platz, dessen Form an einen gefrorenen Wassertropfen erinnern soll. Es entstand zwischen 2009 und 2012 unter der Ägide russischer Architekten. Heute ist das Stadion Heimspielstätte des örtlichen Eishockeyvereins HK Sotschi, der in der Kontinentalen Hockey-Liga spielt.

Adler-Arena

Adler-Arena
(Quelle: Wikimedia Commons / Andrei Dumtschew)

Curlingcenter Ledjanoi Kub

Im Uhrzeigersinn die nächste Sporteinrichtung an der Medals Plaza ist das Curlingcenter „Ledjanoi Kub“ („Eiskubus“). Der verhältnismäßig unscheinbare Klotz mit grauer Fassade bietet Platz für 3.000 Zuschauer.

Eislaufzentrum Adler-Arena

Beeindruckender ist da die Fassade der Adler-Arena, die tagsüber durch die geschlossenen Lamellen eintönig grau wirkt, bei Veranstaltungen in den Abendstunden jedoch den Blick ins beleuchtete Innere freigibt. Hier fand ein Teil der Eisschnelllaufwettbewerbe statt.

Eislaufpalast

Wintersportpalast „Aisberg“
(Quelle: Wikimedia Commons / Atos)

Wintersportpalast Aisberg

Daneben schließt der Wintersportpalast „Aisberg“ (dt. „Eisberg“) mit seiner mosaikartigen Oberfläche in verschiedenen Blautönen den Kreis. In dem 12.000 Zuschauer fassenden Bau wurden die olympischen Eiskunstlauf- und Shorttrackwettbewerbe ausgetragen. Auch hier gab es Pläne für einen Umzug des Gebäudes in eine andere russische Stadt nach Ende der Spiele. Dann war ein Umbau zum Velodrom im Gespräch. Beides wurde bislang nicht umgesetzt.

Großer Preis von Russland 2014

Großer Preis von Russland 2014
(Quelle: Wikimedia Commons / German Scofield)

Sochi Autodrom

Mitten durch den Olympiapark verläuft die Rundstrecke des „Sochi Autodrom“ – vom Olympiapark-Bahnhof bis zum Eispalast „Bolschoi“ und zurück. Die 5,8 Kilometer lange Strecke mit 19 Kurven wurde vom deutschen Streckenplaner Hermann Tilke entworfen. Hier findet seit 2014 jährlich das Formel 1-Rennen „Großer Preis von Russland“ statt.

Museumszentrum

An der Meschdunarodnaja-Straße, etwa 300 Meter östlich der Medals Plaza, liegt das Museumszentrum des Olympiaparks, das fünf Museen in sich vereint: Das Nikola-Tesla-Elektromuseum, das Leonardo-da-Vinci-Mechanikmuseum, ein UdSSR-Museum, eine Ausstellung von Roboter-Dinosauriern und eine Ausstellung über die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele. Für an Russland interessierte Besucher aus dem Ausland mag vor allem das UdSSR-Museum interessant sein. Es besteht größtenteils aus einer Sammlung verschiedenster Alltagsgegenstände aus sowjetischer Produktion.

Automuseum Sotschi

Automuseum Sotschi
(Quelle: Jewgenija Gortschakowa, Alexander Adsjanow / BlogSotschi)

Automuseum

Läuft man knapp einen halben Kilometer weiter entlang der Meschdunarodnaja-Straße in Richtung Bahnlinie, liegt auf der rechten Seite ein weiteres Museum: Das Automuseum Sotschi. Die Ausstellung konzentriert sich auf Fahrzeuge aus sowjetischer Produktion: vom Lastwagen aus den 1930er Jahren bis hin zur SIL-Staatskarosse aus den 1980ern.

Forellenzucht Adler

Forellenzucht Adler
(Quelle: Tourprom)

Forellenzucht

Etwa 15 Kilometer von Adler entfernt liegt an der alten Landstraße nach Krasnaja Poljana einer der größten Forellenzuchtbetriebe Russlands. Für Besucher werden Rundgänge durch die 1964 gegründete Anlage angeboten. Wer möchte, kann selbst zur Angel greifen und – gelegentlich auch im Rahmen eines Wettbewerbs – an den Karpfen- und Forellenteichen sein Glück versuchen. Im „Degustationssaal“ besteht die Möglichkeit eine Reihe von Fischgerichten zu verkosten.

Affengehege

Ein wohl eher zweifelhaftes Vergnügen ist der Besuch der Affengehege des „Forschungsinstituts für medizinische Primatologie“. Diese staatliche Tierversuchsanstalt im Nachbarstadtteil Wessjoloje hält eigenen Angaben zufolge 4.500 Tiere aus 23 afrikanischen und asiatischen Affenarten. Ein Teil davon kann im Rahmen einer Besichtigungstour in Augenschein genommen werden.

Das Institut gibt an, mit der Klinik für Herzthorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover zusammenzuarbeiten. Im Rahmen dieser Kooperation seien Pavianen des Instituts Schweineherzklappen eingepflanzt worden, um die Abstoßungsreaktion zu testen.

Anreise

Neuer Bahnhof Adler

Neuer Bahnhof Adler
(Quelle: Wikimedia Commons / Kemal Kosbajew)

Kaum zu glauben, aber bis vor ein paar Jahren gab es noch eine direkte Kurswagenverbindung von Berlin nach Adler. Aufgrund der langen Fahrtzeit ist aber die Anreise per Zug wohl ohnehin nur etwas für eingefleischte Eisenbahnfans. Diese müssen heute in Moskau umsteigen, um an die russische Schwarzmeerküste zu gelangen. Von der russischen Hauptstadt aus brauchen die schnellsten Züge etwa 24 Stunden bis Adler – Flugzeuge etwa 2½ Stunden. Vom Flughafen aus braucht die Elektritschka knapp 10 Minuten bis zum Bahnhof Adler.

Auch der Bahnhof Adler wurde im Zuge der Vorbereitungen auf die Olympischen Winterspiele komplett erneuert. Dazu wurde in Zusammenarbeit mit dem Berliner Architekturunternehmen GMP ein komplett neues Bahnhofsgebäude errichtet, dessen Form an eine Welle erinnern soll. Wer den Bahnhof in Richtung Stadt verlässt, sieht links neben der Glasfassade des Bahnhofs das nun etwas verloren wirkende kleine, gelbe Gebäude des alten Bahnhofs.

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